Die „Attraktivität“ von Trauma als Erklärung
摘要
Menschen möchten die Welt, in der sie leben, und auch sich selbst gerne verstehen. Somit ist es zutiefst menschlich, nach Erklärungen zu suchen, zumal für negative Aspekte des Lebens (Weiner 1985). Im Kern basiert der ganze vorherige Punkt zu „Symptomen als Indikatoren“ auch auf diesem Bedürfnis – denn (unspezifische) Symptome werden ja nur deshalb als Indikatoren für eine Ursache herangezogen, weil überhaupt nach einer Erklärung gesucht wird. Im Fall von „Wilkomirski“ hat Harald Merckelbach (2002) es so formuliert, dass „Wilkomirski“ als mittelmäßiger, depressiver Musiker, der sich stark für den Holocaust interessierte, zufällig einen Psychotherapeuten trifft, der ihm rät, seine Albträume aufzuschreiben, da sie auf ein schwer zugängliches Trauma hindeuten würden. Auch wenn hier schon auf ein weiteres suggestives Element – der Glaube an Verdrängung (Punkt 5) – vorgegriffen wird, soll zunächst noch auf die „Attraktivität“ von Trauma als Erklärung eingegangen werden.