Der Beitrag untersucht rechtliche Aushandlungen von live-in Betreuungsverhältnissen in Schweizer Privathaushalten. Im Zentrum steht die Frage, wie sich in den letzten zehn Jahren der öffentliche Diskurs und die rechtliche Praxis zur live-in Betreuung verändert haben, seit migrantische Care-Arbeiter*innen aus dem Schatten getreten und für mehr Respekt und Rechte eingetreten sind. Die Autorinnen beziehen sich dabei auf zwei jüngere Gerichtsurteile und nehmen sowohl die Aushandlung der geleisteten Arbeit als auch den strukturellen Kontext der Gerichtsverfahren und die Handlungsmacht (Agency) der Betreuer*innen in den Blick. Die Abgrenzung zwischen Arbeitszeit und Freizeit sowie die Entlohnung von Bereitschaftsdiensten sind im Zentrum der rechtlichen Aushandlungen. In den analysierten Gerichtsverfahren zeigt sich, dass Arbeitgeber*innen versuchen, Care-Arbeit als häusliche oder familiäre Tätigkeit umzudefinieren und damit vertragliche Aspekte zu verschleiern. Diese Vorstellung von ‚Dienstbarkeit‘, die in den Aussagen der Arbeitgeber zum Ausdruck gebracht wird, wird von den Gerichten zumindest teilweise hinterfragt, die in beiden Fällen eine Entschädigung des Bereitschaftsdienstes zusprechen. Gleichzeitig bleibt in den gerichtlichen Begründungen der strukturelle, von intersektionalen Machtverhältnissen durchzogene Kontext des Arbeitsplatzes Privathaushalt sowie die Prekarität im transnationalen Lebenszusammenhang weitgehend unberücksichtigt.

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Eine Arbeit wie jede andere? Rechtliche Aushandlungen von live-in Betreuungsverhältnissen in der Schweiz

  • Sarah Schilliger,
  • Jennifer Steiner

摘要

Der Beitrag untersucht rechtliche Aushandlungen von live-in Betreuungsverhältnissen in Schweizer Privathaushalten. Im Zentrum steht die Frage, wie sich in den letzten zehn Jahren der öffentliche Diskurs und die rechtliche Praxis zur live-in Betreuung verändert haben, seit migrantische Care-Arbeiter*innen aus dem Schatten getreten und für mehr Respekt und Rechte eingetreten sind. Die Autorinnen beziehen sich dabei auf zwei jüngere Gerichtsurteile und nehmen sowohl die Aushandlung der geleisteten Arbeit als auch den strukturellen Kontext der Gerichtsverfahren und die Handlungsmacht (Agency) der Betreuer*innen in den Blick. Die Abgrenzung zwischen Arbeitszeit und Freizeit sowie die Entlohnung von Bereitschaftsdiensten sind im Zentrum der rechtlichen Aushandlungen. In den analysierten Gerichtsverfahren zeigt sich, dass Arbeitgeber*innen versuchen, Care-Arbeit als häusliche oder familiäre Tätigkeit umzudefinieren und damit vertragliche Aspekte zu verschleiern. Diese Vorstellung von ‚Dienstbarkeit‘, die in den Aussagen der Arbeitgeber zum Ausdruck gebracht wird, wird von den Gerichten zumindest teilweise hinterfragt, die in beiden Fällen eine Entschädigung des Bereitschaftsdienstes zusprechen. Gleichzeitig bleibt in den gerichtlichen Begründungen der strukturelle, von intersektionalen Machtverhältnissen durchzogene Kontext des Arbeitsplatzes Privathaushalt sowie die Prekarität im transnationalen Lebenszusammenhang weitgehend unberücksichtigt.