Unvordenklichkeit des Betrugs. Zur Psychodynamik des Realismus
摘要
Der Beitrag soll den Leitbegriff des vorliegenden Bandes ins Gegenteil wenden und den engen Zusammenhang zwischen Untreue beziehungsweise Treulosigkeit und literarischem Realismus zum Gegenstand machen. Sein Interesse gilt jedoch nicht dem (weiblichen) Ehebruch als prominentestem Thema des Gesellschaftsromans im 19. Jahrhundert, sondern vielmehr einer auf männlicher Seite zu findenden Disposition, die in der Erwartung des Betrogen-Werdens besteht. Diese immer schon antizipierte Erfahrung eines unvordenklichen Betrugs wirkt sich, so die These, auf das Verhältnis zur Wirklichkeit als ganzer aus. Daraus leiten sich, wie gezeigt werden soll, Rückschlüsse auf die geschlechtliche Codierung der Poetik des Realismus in Gestalt einer Poetik der Unverlässlichkeit ab.