Von der Ethik der Treue zur Ästhetik der Untreue. Der Fall Erich Wulffen
摘要
Die vorliegende Fallstudie zu einer Ethik des Realismus untersucht am Beispiel des Falls Erich Wulffen – Staatsanwalt, Kriminologe und Schriftsteller –, wie die ästhetische Forderung nach einem wirklichkeitsgetreuen Erzählen im frühen 20. Jahrhundert für die Rechtsprechung virulent wird, etwa in der programmatischen Überblendung von Dichten und Richten. Der Fall Wulffen eignet sich außerdem, um die zeittypische Leidenschaft für die Figur des Hochstaplers näher zu beleuchten, war Wulffen doch ebenso in den Prozess um Karl May involviert wie dem notorischen Betrüger Georges Manolescu verfallen. Mit der Faszination für die Figur des Hochstaplers verbindet sich die Bewegung von einer Ethik der Treue zu einer Ästhetik der Untreue, die der Beitrag am Beispiel der kriminologischen und literarischen Schriften Wulffens nachvollzieht.