Sorge/Care: care ethics und die Realität der Sorge (Herder, Goethe, Stifter, Stelling)
摘要
Care/Sorge meint nicht nur eine gesellschaftlich wenig wertgeschätzte Arbeit, sondern auch eine affektive Einstellung. In der Erzählprosa sowohl des ›poetischen Realismus‹ als auch der Gegenwart finden sich Texte, die konkretes Sorgehandeln in seinen ambivalenten Gefühlsrealitäten, ethischen Aufladungen und gesellschaftlichen Rahmungen ausloten. An Stifters Erzählung Granit (1852) und Stellings Roman Fürsorge (2017) lassen sich dabei virulente Deutungskonflikte gegenwärtiger Care-Debatten nachzeichnen und historisch situieren. Während Stifters Erzählung in der pastoralen Sorge des Großvaters das Programm einer auf Nächstenliebe und Brüderlichkeit gerichteten Gemeinschaft entwickelt, demontiert Stelling das Idealbild aufopfernder Muttersorge, indem sie es von selbstloser Agape in inzestuösen Eros kippen lässt. Im Hintergrund schaffen beide Texte – und hier liegt ihr spezifischer Realismus – Platz für den verdrängten Charakter von Care/Sorge als alltäglicher, repetitiver Hausarbeit.