Milieutreue. Autosoziobiographik im Naturalismus
摘要
Die autosoziobiographische Literatur der Gegenwart wird in der Mehrzahl von Klassenwechslern getragen: von Aufsteigern, die ihr Bildungswissen zur Selbsterforschung und Verhandlung von Fragen sozialer Ungleichheit nutzen. Dagegen stellt der Aufsatz mit Hans Ostwald einen literarischen Autodidakten aus dem Umfeld des Berliner Naturalismus vor, der seinem Herkunftsmilieu treu blieb und Deklassierungserfahrungen sammelte, indem er freiwillig vom Handwerksgesellen ins Subproletariat prekär lebender Outcats abstieg. Als Autor von Romanen und Kulturstudien, Sozialexperte und Herausgeber von Anthologien war es Ostwald danach weniger um eine theoriegestützte Aufklärung über marginalisierte Armutsmilieus zu tun als um die Widerlegung einer Erzählliteratur, die Lehr- und Wanderjahre entweder zum Abenteuer verklärte oder auf einen Prozess der Selbstfindung von Individuen verengte.