Treue – ausgerechnet mit diesem Begriff aus dem Inventar bürgerlicher Ehen und populärer Romanzen wurde im 19. Jahrhundert der nicht mehr abzuweisende Anspruch auf die Darstellung von Wirklichkeit geltend gemacht. In ihrer poetologischen Verwendung bezog sich die Semantik unmittelbar auf den ästhetischen Schlüsselbegriff der Epoche: die Nachahmung. Von der „Treue der Nachahmung“spricht etwa Otto Ludwig mit Bezug auf George Eliot. Der Zusammenhang von Treue und Nachahmung war in der Sprache des Realismus so evident, dass auf die gleichzeitige Nennung beider Begriffe in der Regel verzichtet wurde. Schlichtweg „treu“ oder „wirklichkeitstreu“ sind solche Texte oder Bilder, die den neuen Anspruch auf die Darstellung von Wirklichkeit einlösen.

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Für eine literarische Ethik des Realismus. Einleitung

  • Roman Widder

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Treue – ausgerechnet mit diesem Begriff aus dem Inventar bürgerlicher Ehen und populärer Romanzen wurde im 19. Jahrhundert der nicht mehr abzuweisende Anspruch auf die Darstellung von Wirklichkeit geltend gemacht. In ihrer poetologischen Verwendung bezog sich die Semantik unmittelbar auf den ästhetischen Schlüsselbegriff der Epoche: die Nachahmung. Von der „Treue der Nachahmung“spricht etwa Otto Ludwig mit Bezug auf George Eliot. Der Zusammenhang von Treue und Nachahmung war in der Sprache des Realismus so evident, dass auf die gleichzeitige Nennung beider Begriffe in der Regel verzichtet wurde. Schlichtweg „treu“ oder „wirklichkeitstreu“ sind solche Texte oder Bilder, die den neuen Anspruch auf die Darstellung von Wirklichkeit einlösen.