Der Beitrag setzt sich kritisch mit einem Argument für den Immoralismus auseinander, der Auffassung also, dass literarische Texte bzw. Kunstwerke im Allgemeinen auch deswegen ästhetisch gelungen sein können, weil sie in moralischer Hinsicht defizitär sind. Zunächst wird der Immoralismus innerhalb der größeren Debatte zum Verhältnis von Ethik und Ästhetik verortet und konkurrierenden Positionen gegenübergestellt, namentlich dem Ethizismus bzw. Moralismus (Berys Gaut, Noël Carroll u. a.) sowie dem moderaten und radikalen Autonomismus (Richard Posner u. a.). Anschließend werden zwei Argumente für den Immoralismus, die Anne W. Eaton in ihrem Aufsatz Robust Immoralism vorgelegt hat, Schritt für Schritt rekonstruiert und erläutert. Schließlich wird gezeigt, warum Eatons Argumente den Immoralismus nicht überzeugend begründen können. Die Überlegungen werden am Beispiel von Vladimir Nabokovs Roman Lolita illustriert.

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Ist Lolita gut, weil Humbert Humbert schlecht ist? Der Immoralismus im Kontext der Ethik-Ästhetik-Debatte

  • Stefan Descher

摘要

Der Beitrag setzt sich kritisch mit einem Argument für den Immoralismus auseinander, der Auffassung also, dass literarische Texte bzw. Kunstwerke im Allgemeinen auch deswegen ästhetisch gelungen sein können, weil sie in moralischer Hinsicht defizitär sind. Zunächst wird der Immoralismus innerhalb der größeren Debatte zum Verhältnis von Ethik und Ästhetik verortet und konkurrierenden Positionen gegenübergestellt, namentlich dem Ethizismus bzw. Moralismus (Berys Gaut, Noël Carroll u. a.) sowie dem moderaten und radikalen Autonomismus (Richard Posner u. a.). Anschließend werden zwei Argumente für den Immoralismus, die Anne W. Eaton in ihrem Aufsatz Robust Immoralism vorgelegt hat, Schritt für Schritt rekonstruiert und erläutert. Schließlich wird gezeigt, warum Eatons Argumente den Immoralismus nicht überzeugend begründen können. Die Überlegungen werden am Beispiel von Vladimir Nabokovs Roman Lolita illustriert.