Dieses Kapitel behandelt Verfahren ethischer Entscheidungsfindung im Kontext der Forschungsethik und unterscheidet dabei zwischen individueller moralischer Deliberation und institutionalisierter wissenschaftlicher Selbstkontrolle. Die individuelle Entscheidungsfindung wird anhand des von John Rawls eingeführten und von Norman Daniels weiterentwickelten Modells des Überlegungsgleichgewichts beschrieben, das drei Ebenen von Überzeugungen – Einzelfallurteile, ethische Prinzipien und Hintergrundannahmen – in ein kohärentes Verhältnis bringt. Diese Sichtweise betont die dynamische, kontinuierliche und kontextübergreifende Natur ethischer Urteilsbildung und liefert Hinweise für die Gestaltung von Aus- und Weiterbildungsangeboten sowie von Leitlinien in guter wissenschaftlicher Praxis. Die institutionelle Perspektive beleuchtet die Arbeit von Ethikkommissionen, die Forschungsvorhaben innerhalb eines vordefinierten Rahmens prüfen und dabei sowohl rechtliche als auch ethische Standards operationalisieren. Trotz Unterschieden in Zusammensetzung, Aufgaben und Verfahren weisen diese Kommissionen zentrale Gemeinsamkeiten auf, die zu einer schrittweisen Angleichung forschungsethischer Standards auf nationaler und internationaler Ebene führen.

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Verfahren ethischer Entscheidungsfindung

  • Jan-Hendrik Heinrichs,
  • Bert Heinrichs

摘要

Dieses Kapitel behandelt Verfahren ethischer Entscheidungsfindung im Kontext der Forschungsethik und unterscheidet dabei zwischen individueller moralischer Deliberation und institutionalisierter wissenschaftlicher Selbstkontrolle. Die individuelle Entscheidungsfindung wird anhand des von John Rawls eingeführten und von Norman Daniels weiterentwickelten Modells des Überlegungsgleichgewichts beschrieben, das drei Ebenen von Überzeugungen – Einzelfallurteile, ethische Prinzipien und Hintergrundannahmen – in ein kohärentes Verhältnis bringt. Diese Sichtweise betont die dynamische, kontinuierliche und kontextübergreifende Natur ethischer Urteilsbildung und liefert Hinweise für die Gestaltung von Aus- und Weiterbildungsangeboten sowie von Leitlinien in guter wissenschaftlicher Praxis. Die institutionelle Perspektive beleuchtet die Arbeit von Ethikkommissionen, die Forschungsvorhaben innerhalb eines vordefinierten Rahmens prüfen und dabei sowohl rechtliche als auch ethische Standards operationalisieren. Trotz Unterschieden in Zusammensetzung, Aufgaben und Verfahren weisen diese Kommissionen zentrale Gemeinsamkeiten auf, die zu einer schrittweisen Angleichung forschungsethischer Standards auf nationaler und internationaler Ebene führen.