Was ist der Sinn der Sinne? Als Menschen nehmen wir die Welt objektiv auf bestimmte qualitative Weise wahr. Diese Wahrnehmung steht in enger Beziehung zur spezifisch menschlichen Sinnesorganisation, die sich durch leibliche Modalitäten differenziert. Für Plessner ist das Grundproblem objektiver Erkenntnis untrennbar mit der qualitativen Wahrnehmung der Welt verbunden, wie sie die leibliche Sinneswahrnehmung vermittelt. Dabei widerspricht Plessner klassischen Lösungsansätzen, die die Möglichkeit von Gegenstandserkenntnis entweder formalistisch aus der Struktur des Denkens (kantisch) oder materialistisch aus den Wesensstrukturen der Welt (phänomenologisch) ableiten. In der Einheit der Sinne schlägt er stattdessen einen dritten Weg vor: Um zu den Sinngesetzen der Sinnlichkeit vorzudringen, müssen die geistigen Ausdrucksformen des Menschen – also seine Sinngebungsweisen – in einer Ästhesiologie des Geistes befragt werden. Hierbei verbindet Plessner auf originelle Weise Natur- und Kulturphilosophie. Der Sinn der qualitativ-gegenständlichen Erscheinungsweise der Welt zeigt sich einzig in den sinnlich vermittelten, geistig-kulturellen Verhaltensformen des Menschen. Mit anderen Worten: Der Sinn der Sinne ist in den performativen Praktiken menschlicher Kultur a priori verkörpert. Das verkörperte Apriori in Plessners Werk arbeitet der Artikel in einer historischen, systematischen sowie exemplarischen Perspektive heraus.

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Zwischen formaler und materialer Erkenntnis

  • Elisabeth Rädler,
  • Fabian Fuchs,
  • Katrin Felgenhauer

摘要

Was ist der Sinn der Sinne? Als Menschen nehmen wir die Welt objektiv auf bestimmte qualitative Weise wahr. Diese Wahrnehmung steht in enger Beziehung zur spezifisch menschlichen Sinnesorganisation, die sich durch leibliche Modalitäten differenziert. Für Plessner ist das Grundproblem objektiver Erkenntnis untrennbar mit der qualitativen Wahrnehmung der Welt verbunden, wie sie die leibliche Sinneswahrnehmung vermittelt. Dabei widerspricht Plessner klassischen Lösungsansätzen, die die Möglichkeit von Gegenstandserkenntnis entweder formalistisch aus der Struktur des Denkens (kantisch) oder materialistisch aus den Wesensstrukturen der Welt (phänomenologisch) ableiten. In der Einheit der Sinne schlägt er stattdessen einen dritten Weg vor: Um zu den Sinngesetzen der Sinnlichkeit vorzudringen, müssen die geistigen Ausdrucksformen des Menschen – also seine Sinngebungsweisen – in einer Ästhesiologie des Geistes befragt werden. Hierbei verbindet Plessner auf originelle Weise Natur- und Kulturphilosophie. Der Sinn der qualitativ-gegenständlichen Erscheinungsweise der Welt zeigt sich einzig in den sinnlich vermittelten, geistig-kulturellen Verhaltensformen des Menschen. Mit anderen Worten: Der Sinn der Sinne ist in den performativen Praktiken menschlicher Kultur a priori verkörpert. Das verkörperte Apriori in Plessners Werk arbeitet der Artikel in einer historischen, systematischen sowie exemplarischen Perspektive heraus.