In Die Einheit der Sinne (1923) konzipiert Helmuth Plessner einen neuen Ansatz der Naturphilosophie. Er unterscheidet sich sowohl von einer Philosophie der Naturwissenschaften als auch von einer spekulativen oder romantischen Philosophie der Natur. Plessners Naturphilosophie kann im hermeneutischen Sinn als „verstehend“ gelten und bezieht sich in phänomenologischer Hinsicht auf die Erscheinungsweise der Natur bzw. das qualitative Aussehen der Welt. Der Aufsatz klärt die schwierige interpretatorische Ausgangslage bezüglich Die Einheit der Sinne auf, diskutiert die verschiedenen Elemente von Plessners verstehender Naturphilosophie und bringt die verkörperten Subjekte in den Blick, für die Materielles so-und-so erscheint bzw. aussieht, die also ein phänomenales Bewusstsein haben. Das gibt Anlass, einen Seitenblick auf die relationale Konzeption von Qualia zu werfen, die sich aus Plessners naturphilosophischem Ansatz ergibt. Vor diesem Hintergrund lässt sich der für seine verstehende Naturphilosophie zentrale Punkt erläutern, dass die Relation zwischen Materie und verkörpertem Subjekt sinnhaft ist. Diese Relation ist Plessner zufolge von solchem durchtränkt, das dem Verständnis offensteht, und zwar geistig-kulturellen Objektivationen (Wissenschaft, Kunst, Sprache etc.). In einem Ausblick zeigt der Aufsatz, wie Plessner seine zur Grundlegung einer Theorie der Sinnesqualitäten entwickelte verstehende Naturphilosophie nach 1923 hin zu einer Grundlegung einer Theorie der Lebensqualitäten erweitert.

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Qualitatives Aussehen und Sinn der materiellen Natur

  • Matthias Wunsch

摘要

In Die Einheit der Sinne (1923) konzipiert Helmuth Plessner einen neuen Ansatz der Naturphilosophie. Er unterscheidet sich sowohl von einer Philosophie der Naturwissenschaften als auch von einer spekulativen oder romantischen Philosophie der Natur. Plessners Naturphilosophie kann im hermeneutischen Sinn als „verstehend“ gelten und bezieht sich in phänomenologischer Hinsicht auf die Erscheinungsweise der Natur bzw. das qualitative Aussehen der Welt. Der Aufsatz klärt die schwierige interpretatorische Ausgangslage bezüglich Die Einheit der Sinne auf, diskutiert die verschiedenen Elemente von Plessners verstehender Naturphilosophie und bringt die verkörperten Subjekte in den Blick, für die Materielles so-und-so erscheint bzw. aussieht, die also ein phänomenales Bewusstsein haben. Das gibt Anlass, einen Seitenblick auf die relationale Konzeption von Qualia zu werfen, die sich aus Plessners naturphilosophischem Ansatz ergibt. Vor diesem Hintergrund lässt sich der für seine verstehende Naturphilosophie zentrale Punkt erläutern, dass die Relation zwischen Materie und verkörpertem Subjekt sinnhaft ist. Diese Relation ist Plessner zufolge von solchem durchtränkt, das dem Verständnis offensteht, und zwar geistig-kulturellen Objektivationen (Wissenschaft, Kunst, Sprache etc.). In einem Ausblick zeigt der Aufsatz, wie Plessner seine zur Grundlegung einer Theorie der Sinnesqualitäten entwickelte verstehende Naturphilosophie nach 1923 hin zu einer Grundlegung einer Theorie der Lebensqualitäten erweitert.