Der Beitrag bietet einen kritischen Kommentar zu Helmuth Plessners Theorie des „Kreises der zuständlichen Modalitäten“. Plessners Ansatz basiert auf einer regressiven Methode im Sinne Kants, mit dem Ziel, die Notwendigkeit bestimmter Sinnesmodalitäten für spezifische Formen der Sinngebung nachzuweisen. Er unterscheidet drei Sinneskreise – den optischen, den akustischen und den zuständlichen –, die jeweils mit unterschiedlichen Arten der Sinngebung korrespondieren: schematisch (Wissenschaft), thematisch (Kunst) und syntagmatisch (Sprache). Im Gegensatz zu den optischen und akustischen Modalitäten fehlt dem Kreis der zuständlichen Sinne – darunter Tasten, Schmecken, Riechen, Schmerz, Temperatur und Wollust – die Möglichkeit zur Vergeistigung; sie vermitteln lediglich leibliche Zustände. Aufgrund dieses Mangels spricht Plessner ihnen die Fähigkeit zur Hervorbringung ästhetischer oder wissenschaftlicher Werke ab. Der Kommentar problematisiert diese Abwertung, verweist auf kulturelle Vorurteile und vernachlässigte Differenzierungen und regt eine Neubewertung der philosophischen Bedeutung der zuständlichen Sinne an.

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Der Kreis der zuständlichen Modalitäten

  • Ralf Becker

摘要

Der Beitrag bietet einen kritischen Kommentar zu Helmuth Plessners Theorie des „Kreises der zuständlichen Modalitäten“. Plessners Ansatz basiert auf einer regressiven Methode im Sinne Kants, mit dem Ziel, die Notwendigkeit bestimmter Sinnesmodalitäten für spezifische Formen der Sinngebung nachzuweisen. Er unterscheidet drei Sinneskreise – den optischen, den akustischen und den zuständlichen –, die jeweils mit unterschiedlichen Arten der Sinngebung korrespondieren: schematisch (Wissenschaft), thematisch (Kunst) und syntagmatisch (Sprache). Im Gegensatz zu den optischen und akustischen Modalitäten fehlt dem Kreis der zuständlichen Sinne – darunter Tasten, Schmecken, Riechen, Schmerz, Temperatur und Wollust – die Möglichkeit zur Vergeistigung; sie vermitteln lediglich leibliche Zustände. Aufgrund dieses Mangels spricht Plessner ihnen die Fähigkeit zur Hervorbringung ästhetischer oder wissenschaftlicher Werke ab. Der Kommentar problematisiert diese Abwertung, verweist auf kulturelle Vorurteile und vernachlässigte Differenzierungen und regt eine Neubewertung der philosophischen Bedeutung der zuständlichen Sinne an.