Zum Schluss dieser Studie soll noch einmal daran erinnert werden, wie sich die Figur des (auto-)fiktionalisierten Schriftstellers Christian Kracht in seinem sechsten Roman Eurotrash an den 25 Jahre zuvor veröffentlichten Debütroman – den ältesten und einflussreichsten Text der hier behandelten Primärtextwerke, der auf die meisten der anderen ebenfalls untersuchten Texte ausstrahlte – zurückerinnert: Ich hatte mich nämlich mit fünfundzwanzig entschlossen, einen Roman in der Ichform zu schreiben, erinnerte ich mich, bei dem ich mir selbst und dem Leser vorgaukeln würde, ich käme aus gutem Hause, wäre wohlstandverwahrlost und hätte etwas von einem autistischen Snob. Für die Argumentationsweise und die Kernthesen dieser Studie dürfte zunächst erkenntlich sein, dass autistisch das wichtigste Wort in dieser knappen Retrospektive auf den Beginn einer folgenreichen, in vieler Hinsicht für etwaige Epigonen vorbildhaften literarischen Karriere darstellen muss. (Demgemäß wurde denn hier im Kapitel zu Faserland auch vorgegangen.) Doch auf den zweiten Blick ist es das Wort vorgaukeln, das in seiner sinnhaften Instabilität und der doppelten Bezüglichkeit – als Selbsttäuschung (mir selbst) und als Täuschung (dem Leser) zu begreifen – die womöglich wichtigste Aussage über den Umgang der Texte dieses Primärtextfelds mit Metaphorisierungen des Epochensyndroms Autismus trifft.

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Schlussbetrachtungen: Becoming Autistic als soziokulturelle Praxis in erzählerischen Literarisierungen eines neuartigen Epochensyndroms

  • René Freudenthal

摘要

Zum Schluss dieser Studie soll noch einmal daran erinnert werden, wie sich die Figur des (auto-)fiktionalisierten Schriftstellers Christian Kracht in seinem sechsten Roman Eurotrash an den 25 Jahre zuvor veröffentlichten Debütroman – den ältesten und einflussreichsten Text der hier behandelten Primärtextwerke, der auf die meisten der anderen ebenfalls untersuchten Texte ausstrahlte – zurückerinnert: Ich hatte mich nämlich mit fünfundzwanzig entschlossen, einen Roman in der Ichform zu schreiben, erinnerte ich mich, bei dem ich mir selbst und dem Leser vorgaukeln würde, ich käme aus gutem Hause, wäre wohlstandverwahrlost und hätte etwas von einem autistischen Snob. Für die Argumentationsweise und die Kernthesen dieser Studie dürfte zunächst erkenntlich sein, dass autistisch das wichtigste Wort in dieser knappen Retrospektive auf den Beginn einer folgenreichen, in vieler Hinsicht für etwaige Epigonen vorbildhaften literarischen Karriere darstellen muss. (Demgemäß wurde denn hier im Kapitel zu Faserland auch vorgegangen.) Doch auf den zweiten Blick ist es das Wort vorgaukeln, das in seiner sinnhaften Instabilität und der doppelten Bezüglichkeit – als Selbsttäuschung (mir selbst) und als Täuschung (dem Leser) zu begreifen – die womöglich wichtigste Aussage über den Umgang der Texte dieses Primärtextfelds mit Metaphorisierungen des Epochensyndroms Autismus trifft.