Zur Dialektik der Subjektivität bei Adorno
摘要
Dem Aufsatz liegt Schweppenhäusers Beitrag zu dem interdisziplinären Symposion zur Geschichte und Vorgeschichte der modernen Subjektivität an der Katholischen Universität Eichstätt, 19.–22. September 1995, zugrunde, den der Verfasser, verhindert durch Krankheit, dort nicht zur Diskussion stellen, und der daher auch nicht in die Publikation der verhandelten Beiträge aufgenommen werden konnte. Adornos Theorie der Subjektivität ist kritische Theorie. Die Sache wird an ihrem Begriff gemessen: ob sie ihm gemäß ist oder nicht, und der Begriff wird an der Sache gemessen: ob er der Ausdruck der begriffenen oder der unbegriffenen Sache ist. Die Sache muss sich an ihrem Begriff messen lassen: Subjektivität, ob sie ihren Begriff erfülle und Selbstbewusstsein, freies Fürsichsein ist. Auch Begriff, Wort und Terminus, müssen sich an der Sache messen lassen und zeigen, ob sie für die Sache stehen oder sie verdecken. Adorno hat den Prozess der Dezivilisierung der Zivilisation als einen beschrieben, in dem die Formen der alten Subjektivität sich auflösen, ohne dass neue schon sich gebildet hätten. Die Diagnose des Zerfalls der alten und seiner Erklärung birgt die Chance der Arbeit an neuen. Ohne Eingedenken des Subjekts in die Natur kann sie nicht gelingen. Denn sie wäre die Stiftung des rechten Verhältnisses zwischen Vernunft und Natur, Subjektivität und Objektivität, das weder in der ununterschiedenen Einheit noch in der feindseligen Antithetik beider, sondern in der „Kommunikation des Unterschiedenen“ bestünde. Das wäre die objektive Form der neuen Subjektivität. – Erstveröffentlichung in: Zeitschrift für kritische Theorie, Heft 4 (1997), S. 5–27.