Die bürgerlichen Lesezirkel und Gesprächsrunden, zu denen die Damen des gebildeten höheren Bürgertums, meist des jüdischen Bürgertums, einladen, verdichten sich in Berlin um 1800 zu komplexen Netzwerken, die den Stadtraum durchziehen, sodass neue Kommunikationskanäle und zwischenmenschliche Beziehungen jenseits bislang existierender Beschränkungen durch soziale Zugehörigkeiten und Herkunft, Stände, Religionen und Geschlechter entstehen. Dies führt zu Neuverhandlungen von Zugehörigkeiten und sozialen Positionierungen, die in den Schriften der Salonnièren, aber auch in den theoretischen Abhandlungen ihrer Habitués geführt werden. In diesem Aufsatz werden anhand der Autobiographie von Henriette Herz, der ersten Salonnière Berlins, und der theoretischen Abhandlung über die Salongeselligkeit von Friedrich Schleiermacher die Konstruktionsprozesse eines neuen bürgerlichen Selbstverständnisses untersucht. Während Schleiermacher den Salon als Diversitätsprojekts entwirft, zeigt die Untersuchung von Henriette Herz’ Autobiographie die Hegemonie der bürgerlichen Sphäre. Beide Texte zeigen aber auch deutlich die soziale Exklusivität der Salonkultur auf.

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Salon und Klasse. Zur Salonpraxis in Henriette Herz’ Erinnerungen (1850) und zur Salontheorie in Friedrich Schleiermachers Versuch einer Theorie des geselligen Betragens (1799)

  • Kerstin Wilhelms

摘要

Die bürgerlichen Lesezirkel und Gesprächsrunden, zu denen die Damen des gebildeten höheren Bürgertums, meist des jüdischen Bürgertums, einladen, verdichten sich in Berlin um 1800 zu komplexen Netzwerken, die den Stadtraum durchziehen, sodass neue Kommunikationskanäle und zwischenmenschliche Beziehungen jenseits bislang existierender Beschränkungen durch soziale Zugehörigkeiten und Herkunft, Stände, Religionen und Geschlechter entstehen. Dies führt zu Neuverhandlungen von Zugehörigkeiten und sozialen Positionierungen, die in den Schriften der Salonnièren, aber auch in den theoretischen Abhandlungen ihrer Habitués geführt werden. In diesem Aufsatz werden anhand der Autobiographie von Henriette Herz, der ersten Salonnière Berlins, und der theoretischen Abhandlung über die Salongeselligkeit von Friedrich Schleiermacher die Konstruktionsprozesse eines neuen bürgerlichen Selbstverständnisses untersucht. Während Schleiermacher den Salon als Diversitätsprojekts entwirft, zeigt die Untersuchung von Henriette Herz’ Autobiographie die Hegemonie der bürgerlichen Sphäre. Beide Texte zeigen aber auch deutlich die soziale Exklusivität der Salonkultur auf.