Auf dem Gebiet des Wissens über Reit- und Fahrgebisse fand am Übergang zum 18. Jahrhundert ein bemerkenswerter Medienwechsel statt. Zuvor entstanden zahlreiche Bissbücher, die sowohl im Druck als auch handschriftlich verbreitet wurden. Sie beeindruckten mit ihren ebenso prunkvollen wie erfindungsreichen Kombinationen technischer Details. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Bissbüchern um Musterkataloge handelte, nach denen man sich individuelle Gebisse anfertigen lassen konnte. Dass diese Apparaturen tatsächlich benutzt wurden, ist allerdings zu bezweifeln – vielmehr erwuchs ihre Bildrhetorik ebenso wie die danach gefertigten Objekte aus der Technikverliebtheit der Frühen Neuzeit und diente der höfischen Repräsentation. Handwerkliche Anleitungen zur Herstellung von Gebissen sind daher nicht darin enthalten. Während das Bissbuch als Genre durch den aufgeklärten Rationalismus zurückgedrängt wurde, verlagerte sich der Gebiss-Diskurs zum einen in Reitlehrbücher, die mit teils sogar geometrischen Erklärungen der Hebelwirkung zur Orientierung für Stallmeister und Bereiter dienten. Zum anderen taucht das Sporerwissen nun in Handwerksenzyklopädien auf, die Werkzeuge und Herstellungstechniken erklärten, aber nach wie vor keine Anleitung für die handwerkliche Praxis boten. Das im engeren Sinne handwerkliche Wissen über die Herstellung von Gebissen blieb durchweg im Bereich des tacit knowledge.

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Genres des Sporerhandwerks in der Frühen Neuzeit. Von der aemulativen Bildrhetorik der Bissbücher über die Reitlehre zum enzyklopädischen Wissen

  • Stefanie Stockhorst

摘要

Auf dem Gebiet des Wissens über Reit- und Fahrgebisse fand am Übergang zum 18. Jahrhundert ein bemerkenswerter Medienwechsel statt. Zuvor entstanden zahlreiche Bissbücher, die sowohl im Druck als auch handschriftlich verbreitet wurden. Sie beeindruckten mit ihren ebenso prunkvollen wie erfindungsreichen Kombinationen technischer Details. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Bissbüchern um Musterkataloge handelte, nach denen man sich individuelle Gebisse anfertigen lassen konnte. Dass diese Apparaturen tatsächlich benutzt wurden, ist allerdings zu bezweifeln – vielmehr erwuchs ihre Bildrhetorik ebenso wie die danach gefertigten Objekte aus der Technikverliebtheit der Frühen Neuzeit und diente der höfischen Repräsentation. Handwerkliche Anleitungen zur Herstellung von Gebissen sind daher nicht darin enthalten. Während das Bissbuch als Genre durch den aufgeklärten Rationalismus zurückgedrängt wurde, verlagerte sich der Gebiss-Diskurs zum einen in Reitlehrbücher, die mit teils sogar geometrischen Erklärungen der Hebelwirkung zur Orientierung für Stallmeister und Bereiter dienten. Zum anderen taucht das Sporerwissen nun in Handwerksenzyklopädien auf, die Werkzeuge und Herstellungstechniken erklärten, aber nach wie vor keine Anleitung für die handwerkliche Praxis boten. Das im engeren Sinne handwerkliche Wissen über die Herstellung von Gebissen blieb durchweg im Bereich des tacit knowledge.