Dieses Kapitel untersucht Kenzaburō Ōes Auseinandersetzung mit der deutschsprachigen Literatur anhand zweier zentraler Bereiche: seiner literaturtheoretischen Schrift Methoden des Romans sowie seines Briefwechsels mit Günter Grass. Im Mittelpunkt steht Ōes Analyse der erzählerischen Verfahren Robert Musils und Thomas Manns, deren Konzepte – insbesondere Segmentierung, Grotesker Realismus und die Struktur des mythisch aufgeladenen Inzests – maßgeblich seine eigene Poetik, wie z. B. in Der Stumme Schrei einsehbar, beeinflussten. Der öffentlich geführte Austausch mit Grass verdeutlicht zudem Ōes politisch-moralische Positionierung und sein Verständnis von Literatur als ethischer Praxis, wodurch ein transkultureller Dialog über Verantwortung, Moderne und Vergangenheitsbewältigung entsteht.

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Kenzaburō Ōe (1935–2023) und die deutschsprachige Literatur

  • Carlos Peter Reinelt

摘要

Dieses Kapitel untersucht Kenzaburō Ōes Auseinandersetzung mit der deutschsprachigen Literatur anhand zweier zentraler Bereiche: seiner literaturtheoretischen Schrift Methoden des Romans sowie seines Briefwechsels mit Günter Grass. Im Mittelpunkt steht Ōes Analyse der erzählerischen Verfahren Robert Musils und Thomas Manns, deren Konzepte – insbesondere Segmentierung, Grotesker Realismus und die Struktur des mythisch aufgeladenen Inzests – maßgeblich seine eigene Poetik, wie z. B. in Der Stumme Schrei einsehbar, beeinflussten. Der öffentlich geführte Austausch mit Grass verdeutlicht zudem Ōes politisch-moralische Positionierung und sein Verständnis von Literatur als ethischer Praxis, wodurch ein transkultureller Dialog über Verantwortung, Moderne und Vergangenheitsbewältigung entsteht.