Demographischer Wandel: Angemessene Arzneimittelversorgung einer alternden Bevölkerung
摘要
Im Zuge des demografischen Wandels ist mit einer steigenden Anzahl multimorbider Patient:innen zu rechnen – bereits beim letzten Bevölkerungssurvey des Robert-Koch‐Instituts waren knapp 70 % der Bevölkerung 65+ mindestens von zwei chronischen Erkrankungen betroffen. Diese werden in der Regel mit zahlreichen Medikamenten behandelt. Polypharmakotherapie ist per se mit einem erhöhten Risiko für Arzneimittelwechsel- und -nebenwirkungen behaftet, das beinhaltet auch vermehrt Krankenhausaufnahmen aufgrund von Nebenwirkungen. Daraus folgt ein erhöhter Aufwand für die Arzneimitteltherapiesicherheit älterer Menschen bei gleichzeitig knapper werdenden Personalressourcen im Gesundheitswesen. Steigende Verordnungszahlen und Arzneimittelkosten beruhen allerdings auch auf Veränderungen in den Leitlinien chronischer Erkrankungen, wie am Beispiel der Herzinsuffizienz und des Diabetes mellitus aufgezeigt wird. Bei chronischer Herzinsuffizienz werden heutzutage leitliniengerecht pro Patient zwei Medikamente täglich mehr verordnet als vor etwa 10 Jahren. Bei den häufigen chronischen Erkrankungen sind es besonders die neueren Medikamente, die einen erheblichen Anteil der Kosten ausmachen, während altbewährte Wirkstoffe meist als kostengünstige Generika verordnet werden. Im europäischen Vergleich fällt auf, dass in Deutschland schon seit vielen Jahren beispielsweise mehr kardiovaskuläre Medikamente verordnet werden als im europäischen Ausland, obwohl die meisten Leitlinien europaweit sehr ähnlich sind.