Verschachtelungen von Recht und Literatur. Der Warschauer literarische Pitaval von Olgierd Missuna
摘要
Der Beitrag stellt eine Annäherung an den 1960 in der Pitaval-Reihe des Czytelnik-Verlags erschienenen Warschauer literarischen Pitaval (Warszawski pitaval literacki) des Juristen und Schriftstellers Olgierd Missuna dar. Die Sammlung von vierzehn Erzählungen verbindet einen regionalen mit einem thematischen Schwerpunkt und behandelt Fälle aus der Welt der Literatur und des Journalismus, in denen u. a. Schriftsteller als Kläger oder Angeklagte vor Gericht auftraten. Missuna verarbeitet darin keine blutig-spektakulären Kriminalfälle, sondern greift eher unscheinbare, mitunter aber durchaus öffentlichkeitswirksame Straf- und Zivilprozesse auf, in denen um literarische Texte oder deren Folgen gestritten wurde. Mit der juristischen Fokussierung auf Gerichtsfälle mit Literaturbezug ist Missunas Warschauer literarischer Pitaval ein interessanter Gegenstand für die Recht-und-Literatur-Forschung: Zu beiden Bereichen bietet der Autor neben reiner Unterhaltung auch belehrende Exkurse an. Während Missuna seine Kriminalfälle – ausführlich kommentiert – durchweg aus der Teilungs- und der Zwischenkriegszeit bezieht, verhält er sich gegenüber seiner Gegenwart im sozialistischen Polen äußerst zurückhaltend.