Vom Ancien Régime über Schiller in die DDR. Friedrich Karl Kauls Sammlungen von Pitavalgeschichten in der Tradition der Gattung
摘要
In den 1950er Jahren begann der Jurist und Kulturschaffende Friedrich Karl Kaul in der DDR literarische Rechtsfallsammlungen zu veröffentlichen, die er ausdrücklich in die auf François Gayot de Pitaval – ebenfalls Jurist und Publizist – zurückgehende Tradition stellte. Anders als Gayot ordnet Kaul die jeweiligen Anklagen und Urteilsfindungen in seinen Pitavalgeschichten allerdings dergestalt in einen gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmen ein, dass sie ‚demonstrieren‘, wie die Justiz des Deutschen Kaiserreichs, der Weimarer Republik und der Bonner Republik systemisches ‚Unrecht‘ herstellten. Zudem zeigt Kaul immer wieder personelle Kontinuitäten auf, die sich vom ‚Dritten Reich‘ in die Bundesrepublik erstreckten. Der Beitrag arbeitet an Kauls Pitavalen (in Buchform und als Fernsehspiel) sowie denen seiner Vorgänger die gattungstypologischen Charakteristika einer Pitavalgeschichte heraus und untersucht Kauls Intentionen beim Rückgriff ausgerechnet auf eine Gattung aus der Zeit des Ancien Régime.