Friedrich Karl Kaul kehrte 1945 aus den USA nach Deutschland zurück. Bereits im Exil schrieb der wegen seiner jüdischen Herkunft und politischen Haltung im Nationalsozialismus verfolgte Jurist literarische Texte, die seine Erfahrungen mit der Justiz der Weimarer Republik verarbeiteten. Ab Anfang der 1950er Jahre schuf er die erste Reihe des Weimarer Pitavals, in dem Gerichtsverfahren der Weimarer Zeit nah an den Quellen, aber mit fiktiver Spielhandlung gesammelt und für ein Massenpublikum veröffentlicht wurden. Kaul verarbeitete in seiner Publizistik das Unrecht, das er unter dem Nationalsozialismus erlitten hatte. Seiner eigenen Biographie unterlegte er eine Interpretation, die für sein Fortkommen in der DDR günstig war. Das lässt sich in Kauls Überarbeitung der Pitavale nachvollziehen. Mit seiner Unterhaltungsliteratur trug er zudem zur Bestimmung dessen bei, was den antifaschistischen Staat der DDR künftig ausmachen sollte. Damit öffnete er eine gemeinsame Basis für die Leserschaft der DDR.

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Ein Mittel zur Bewältigung des Traumas – Friedrich Karl Kaul als Autor historischer Justizfälle

  • Katharina Rauschenberger

摘要

Friedrich Karl Kaul kehrte 1945 aus den USA nach Deutschland zurück. Bereits im Exil schrieb der wegen seiner jüdischen Herkunft und politischen Haltung im Nationalsozialismus verfolgte Jurist literarische Texte, die seine Erfahrungen mit der Justiz der Weimarer Republik verarbeiteten. Ab Anfang der 1950er Jahre schuf er die erste Reihe des Weimarer Pitavals, in dem Gerichtsverfahren der Weimarer Zeit nah an den Quellen, aber mit fiktiver Spielhandlung gesammelt und für ein Massenpublikum veröffentlicht wurden. Kaul verarbeitete in seiner Publizistik das Unrecht, das er unter dem Nationalsozialismus erlitten hatte. Seiner eigenen Biographie unterlegte er eine Interpretation, die für sein Fortkommen in der DDR günstig war. Das lässt sich in Kauls Überarbeitung der Pitavale nachvollziehen. Mit seiner Unterhaltungsliteratur trug er zudem zur Bestimmung dessen bei, was den antifaschistischen Staat der DDR künftig ausmachen sollte. Damit öffnete er eine gemeinsame Basis für die Leserschaft der DDR.