Zwischen Dokumentarismus und Politikum. Kazimierz Larskis polnischer Nachkriegs-Pitaval
摘要
Obwohl der Pitaval schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Eingang in die polnische Literatur fand, blieb diese chronikalische Verbrechensgattung lange Zeit – mit einigen wenigen Ausnahmen – unter dem Radar des sich an der Kriminalliteratur orientierenden Diskurses. Erst nach 1945, in der Volksrepublik Polen, blühte der Pitaval, der nicht nur im Dienste der (real)sozialistischen Doktrin, wie man es fälschlicherweise annehmen könnte, stand, förmlich auf. Vor dem Hintergrund vieler Pitavalsammlungen im Historisierungs- und Regionalisierungsmodus sticht vor allem Kazimierz Larskis Współczesny pitaval polski (dt. Der polnische Gegenwartspitaval, 1962) heraus, in dem eine Art Brücke zwischen (literarischem) Dokumentarismus und (politischer) Instrumentalisierung geschlagen wird. Indem Larski u. a. mithilfe von Verhörprotokollen und Polizeiakten die Nachkriegsverbrechen im sozialistischen Polen nachzeichnet, versucht er ein Psychogramm der Täter:innen zu erstellen, die ihre Verbrechen weniger aus klassenideologischen, sondern vielmehr aus ‚menschlichen‘ Gründen verübten.