Pitaval im Sozialismus. Überlieferung und Neuansatz
摘要
Seit den frühen 1950er Jahren erschienen sowohl in der DDR als auch in der Volksrepublik Polen zahlreiche literarische Rechtsfallsammlungen, die sich in die im 18. Jahrhundert beginnende und namentlich auf Gayot de Pitaval zurückgehende literarische Tradition einordnen lassen. Nach eineinhalb Jahrhunderten überwiegend journalistisch geprägter Adaption griffen mit Friedrich Karl Kaul und Stanisław Szenic nun erstmals wieder Juristen mit einem genuinen Interesse am Gerichtsgeschehen und den daran beteiligten Personen auf die Gattung zurück, beriefen sich zugleich aber auch auf Egon Erwin Kischs Prager Pitaval, dem wohl bekanntesten Pitaval des 20. Jahrhunderts. Der Prager Pitaval wirkte hier zwar nicht modellbildend, verhalf dem Genre jedoch zu Popularität und ideologischer Legitimierung in der staatssozialistischen Wirklichkeit.