Kapitel 6 bildet den analytischen Hauptteil der Arbeit und stellt die kommunikativen Aufgaben vor, die beim Einsatz von Sprachnachrichten in WhatsApp‐Interaktionen anfallen. Die Analyse differenziert zwischen Aufgaben, die typischerweise zu Beginn und am Ende von Sprachnachrichten auftreten, und basiert auf einem Korpus authentischer dyadischer und gruppenbasierter Kommunikationsverläufe. Zu Beginn von Sprachnachrichten lassen sich drei kommunikative Aufgaben identifizieren: einen Bezug herstellen, eine Sprachnachricht starten, eine Interaktion eröffnen. Während die Bezugnahme auf vorangegangene Beiträge durch visuelle oder zeitliche Adjazenz, chronologische Ordnung oder Projektionen erfolgt, dient das Starten einer Sprachnachricht häufig der Sicherstellung der technischen Aufnahme oder der Markierung eines Modalitätswechsels. Interaktionseröffnungen bearbeiten insbesondere längere zeitliche Abstände seit dem letzten Kontakt oder initiieren neue Aktivitäten, oft begleitet von Face‐Work oder Grußformeln. Am Ende von Sprachnachrichten werden ebenfalls drei kommunikative Aufgaben bearbeitet: einen Übergabepunkt schaffen, eine Sprachnachricht beenden, eine Interaktion beenden. Nutzer*innen schaffen Übergabepunkte durch Loslassen des Mikrofons, durch die Etablierung konditioneller Relevanzen oder durch zusammenfassende Fazits, wobei die Wahl der Strategie von der Länge der Nachricht, der Anzahl paralleler lines of talk und der jeweiligen Aktivität abhängt. Die kommunikative Aufgabe eine Sprachnachricht beenden wird durch Pre‐Closings, Abschiedsformeln oder das Ankündigen eigener Folgebeiträge realisiert und spiegelt spezifische Anforderungen der asynchronen, nicht‐synchronen Mündlichkeit wider. Interaktionsbeendigungen treten seltener auf und markieren meist den Abschluss einer Aktivität oder eines Gesprächsabschnitts, wobei sie auch die Erwartung steuern, ob und wann eine Interaktion fortgesetzt wird. Kapitel 6 zeigt, dass Sprachnachrichten komplexe kommunikative Aufgaben erfordern, die sich in Anfängen und Enden in spezifischen sprachlichen, prosodischen und sequentiellen Strategien manifestieren und deren Bearbeitung eng mit den technischen und sozialen Affordanzen der Kommunikationsform verbunden ist. Schlagworte: Kommunikative Aufgaben, Interaktionseröffnung, Modalitätswechsel, Interaktionsbeendigung, Face Work, Abschied, Diskursmarker

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Empirische Befunde: Kommunikative Aufgaben in Sprachnachrichten

  • Jana Tschannen

摘要

Kapitel 6 bildet den analytischen Hauptteil der Arbeit und stellt die kommunikativen Aufgaben vor, die beim Einsatz von Sprachnachrichten in WhatsApp‐Interaktionen anfallen. Die Analyse differenziert zwischen Aufgaben, die typischerweise zu Beginn und am Ende von Sprachnachrichten auftreten, und basiert auf einem Korpus authentischer dyadischer und gruppenbasierter Kommunikationsverläufe. Zu Beginn von Sprachnachrichten lassen sich drei kommunikative Aufgaben identifizieren: einen Bezug herstellen, eine Sprachnachricht starten, eine Interaktion eröffnen. Während die Bezugnahme auf vorangegangene Beiträge durch visuelle oder zeitliche Adjazenz, chronologische Ordnung oder Projektionen erfolgt, dient das Starten einer Sprachnachricht häufig der Sicherstellung der technischen Aufnahme oder der Markierung eines Modalitätswechsels. Interaktionseröffnungen bearbeiten insbesondere längere zeitliche Abstände seit dem letzten Kontakt oder initiieren neue Aktivitäten, oft begleitet von Face‐Work oder Grußformeln. Am Ende von Sprachnachrichten werden ebenfalls drei kommunikative Aufgaben bearbeitet: einen Übergabepunkt schaffen, eine Sprachnachricht beenden, eine Interaktion beenden. Nutzer*innen schaffen Übergabepunkte durch Loslassen des Mikrofons, durch die Etablierung konditioneller Relevanzen oder durch zusammenfassende Fazits, wobei die Wahl der Strategie von der Länge der Nachricht, der Anzahl paralleler lines of talk und der jeweiligen Aktivität abhängt. Die kommunikative Aufgabe eine Sprachnachricht beenden wird durch Pre‐Closings, Abschiedsformeln oder das Ankündigen eigener Folgebeiträge realisiert und spiegelt spezifische Anforderungen der asynchronen, nicht‐synchronen Mündlichkeit wider. Interaktionsbeendigungen treten seltener auf und markieren meist den Abschluss einer Aktivität oder eines Gesprächsabschnitts, wobei sie auch die Erwartung steuern, ob und wann eine Interaktion fortgesetzt wird. Kapitel 6 zeigt, dass Sprachnachrichten komplexe kommunikative Aufgaben erfordern, die sich in Anfängen und Enden in spezifischen sprachlichen, prosodischen und sequentiellen Strategien manifestieren und deren Bearbeitung eng mit den technischen und sozialen Affordanzen der Kommunikationsform verbunden ist. Schlagworte: Kommunikative Aufgaben, Interaktionseröffnung, Modalitätswechsel, Interaktionsbeendigung, Face Work, Abschied, Diskursmarker