Pierre Hadot: Philosophie als Lebensform. Geistige Übungen in der Antike (1987)
摘要
In Pierre Hadots einflussreichem, von Michel Foucault in seiner späten Philosophie zum Teil aufgegriffenem Konzept der Philosophie als Lebensform, verstanden als durch geistige Übungen realisierte Lebenspraxis, geht es um die Freilegung einer philosophischen Therapie, die in den verschiedenen antiken philosophischen Schulen enthalten ist und nicht nur medizinisch, sondern existenziell verstanden werden soll. Da diese durch heterogene Diskurse über Ethik, rationale Argumentationen und Wirklichkeitsauffassungen zum Ausdruck kommt, haben sich nach Hadot je nach Schulen und Epochen (Klassik, Hellenismus, römische Kaiserzeit und Frühchristentum) Varianten einer im Wesentlichen gemeinsamen Vision ergeben. Das komplementäre metaphilosophische Vorgehen soll eine Aktualisierung der „zeitlosen Wahrheiten“ der antiken Philosophie über deren Entstehungszeit hinaus ermöglichen, indem der Einfluss des die Philosophie auf einen rein philosophischen Diskurs beschränkenden Christentums offengelegt wird. Eine Aktualisierung der antiken philosophischen Therapeutik findet sich unübersehbar in einigen Ansätzen der modernen Psychotherapie. Kritisiert wurde Hadots Ansatz aufgrund seines generalisierenden Anspruchs und weil er dem theoretischen Diskurs der Philosophie, besonders bei Aristoteles zu wenig Gewicht beimesse.