Schreibmaschine, Fotoapparat, Stimmgabel, Architektur: Instrumentalität und Medialität in Nietzsches Medienphilosophie
摘要
In Der Wanderer und sein Schatten explizierte Nietzsche die Grundlagen seiner Medienphilosophie. „Besser schreiben aber heisst zugleich auch besser denken“ (Nietzsche 1880: 230); denn der gewählte Stil wähle, so Nietzsche, „nicht nur die Worte, sondern auch die Gedanken“ aus: Daher bedeutet den „Stil verbessern […] den Gedanken verbessern, und gar Nichts weiter!“ (Nietzsche 1880: 248). In sprachphilosophischer Ausrichtung thematisiert Nietzsche hier die Abhängigkeit jeder Erkenntnis vom Medium ihrer Darstellung. „Nichts weiter“ heißt, dass medientheoretisch der Stil eine erkenntnistheoretische Kategorie ist und keine ästhetische. Dennoch, es wäre nicht Nietzsche, wenn er nicht die ästhetische Seite des Stils und die im Stil wirkenden künstlerischen Verfahren ernst genommen hätte. Aufschluss darüber gibt der Aphorismus Irrthum der Philosophen, in dem Nietzsche erklärt, dass der Philosoph glaube, dass der Wert seiner Philosophie im Ganzen, im Bau liege; die Nachwelt finde ihn aber „im Stein, mit dem er baute und mit dem, von da an, noch oft und besser gebaut wird: also darin, dass jener Bau zerstört werden kann und doch noch als Material Werth hat.“ (Nietzsche 1880: 102) Noch im Sinne einer logisch‐konstruktiven Tätigkeit des Erkenntnisprozesses gebraucht, zeigt sich mit dem Stein als Baumaterial und dem Bauen als Prozess der Konstruktion, dass Nietzsche den Verfahren der Erkenntnis großes Interesse entgegengebracht hat.