Friedrich Kittler sind Einsichten und Fragestellungen zu verdanken, die so zuvor noch nicht artikuliert worden waren und im Horizont einer akademischen Wagnerforschung auch nicht hätten artikuliert werden können. Aber solche Avantgarde tritt auf der Stelle, kreist um sich und wird leer, monoman, sofern sie ihre Erkenntnisse nicht auch an den Fachwissenschaften misst, die aus ihrem Dornröschenschlaf in puncto Sound und Performance inzwischen ja erwacht sind. Ähnlich wie Heidegger die ontologischen Prinzipien des Seins gegenüber konkreten ontischen Sachverhalten favorisiert, die bei ihm oft genug als bloß zu bearbeitendes Material erscheinen, setzt Kittler auf den theoretischen Vorrang der medialen Strukturen gegenüber dem, was sich in ihnen abspielt. Vielleicht hat er dabei zuweilen aus den Augen verloren, dass diese Strukturen auch an den Ereignissen in ihrem Wirkungsradius verifiziert und korrigiert oder variiert werden müssen. Nur dann kann die Theorie der Medientechniken mehr sein als eine Theorie medialer Elementarbedingungen, nämlich eine Theorie der Kultur.

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Friedrich Kittlers Medientheorie und der Fall Wagner

  • Richard Klein

摘要

Friedrich Kittler sind Einsichten und Fragestellungen zu verdanken, die so zuvor noch nicht artikuliert worden waren und im Horizont einer akademischen Wagnerforschung auch nicht hätten artikuliert werden können. Aber solche Avantgarde tritt auf der Stelle, kreist um sich und wird leer, monoman, sofern sie ihre Erkenntnisse nicht auch an den Fachwissenschaften misst, die aus ihrem Dornröschenschlaf in puncto Sound und Performance inzwischen ja erwacht sind. Ähnlich wie Heidegger die ontologischen Prinzipien des Seins gegenüber konkreten ontischen Sachverhalten favorisiert, die bei ihm oft genug als bloß zu bearbeitendes Material erscheinen, setzt Kittler auf den theoretischen Vorrang der medialen Strukturen gegenüber dem, was sich in ihnen abspielt. Vielleicht hat er dabei zuweilen aus den Augen verloren, dass diese Strukturen auch an den Ereignissen in ihrem Wirkungsradius verifiziert und korrigiert oder variiert werden müssen. Nur dann kann die Theorie der Medientechniken mehr sein als eine Theorie medialer Elementarbedingungen, nämlich eine Theorie der Kultur.