Der Begriff ‚Medium‘ gehört zu den philosophischen Grundbegriffen. Zwar steht er scheinbar hinter Kategorien wie Sein, Nichts, Werden oder Begriff, Wahrheit und Grund zurück, doch beruhen diese im Wesentlichen auf Relationen (mit Ausnahme des Nichts). Sein ist stets ‚Sein von …‘, Begriff ‚Begriff von …‘ oder Wahrheit ‚Wahrheit von …‘ usw. –, wobei Relationen stets nur ‚im Modus von …‘ vorkommen, deren Modalität wiederum ihr Medium darstellt. Das Mediale ist also, obwohl ungenannt, immer schon implizit, wobei wir es von Anfang an mit einer Doppelbesetzung zu tun haben (Mersch 2015a). Denn nennt der ‚Begriff‘ die Bestimmung dessen, ‚was‘ etwas ist, oder die ‚Wahrheit‘ eine spezifische Eigenschaft von ‚Sätzen‘, verweist das Mediale auf das ‚Wie‘, d. h. auf den spezifischen Austrag ihrer Relationalität. Die philosophische Terminologie ist dadurch determiniert: Sie handelt von ‚etwas‘ als ‚etwas‘, was ein Verhältnis zwischen zwei Elementen (Relata) ausdrückt, die ihrerseits auf eine bestimmte Weise zueinander in Beziehung gesetzt sein müssen (z. B. durch Vergleich). Das Verhältnis und die Art und Weise seiner Spezifikation gehören damit zusammen, sodass beide, das Was‐sein und das Wie‐sein von ‚etwas‘ und die Rede von ihm, seine Darstellung oder Verkörperung und Übersetzung etc. ausmacht. Das Medium bezieht sich auf diese zweite Seite, und die entscheidende Einsicht besteht darin, dass diese nicht passiver Natur ist, sondern an der Konstitution dessen, ‚was es gibt‘ aktiv beteiligt ist. Dem Medialen kommt darum nicht direkt eine signifikative Funktion zu, wohl aber modelliert es diese und formt ihre Gestalten.

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Philosophien des Medialen. ‚Zwischen‘ Materialität, Technik und Relation

  • Dieter Mersch

摘要

Der Begriff ‚Medium‘ gehört zu den philosophischen Grundbegriffen. Zwar steht er scheinbar hinter Kategorien wie Sein, Nichts, Werden oder Begriff, Wahrheit und Grund zurück, doch beruhen diese im Wesentlichen auf Relationen (mit Ausnahme des Nichts). Sein ist stets ‚Sein von …‘, Begriff ‚Begriff von …‘ oder Wahrheit ‚Wahrheit von …‘ usw. –, wobei Relationen stets nur ‚im Modus von …‘ vorkommen, deren Modalität wiederum ihr Medium darstellt. Das Mediale ist also, obwohl ungenannt, immer schon implizit, wobei wir es von Anfang an mit einer Doppelbesetzung zu tun haben (Mersch 2015a). Denn nennt der ‚Begriff‘ die Bestimmung dessen, ‚was‘ etwas ist, oder die ‚Wahrheit‘ eine spezifische Eigenschaft von ‚Sätzen‘, verweist das Mediale auf das ‚Wie‘, d. h. auf den spezifischen Austrag ihrer Relationalität. Die philosophische Terminologie ist dadurch determiniert: Sie handelt von ‚etwas‘ als ‚etwas‘, was ein Verhältnis zwischen zwei Elementen (Relata) ausdrückt, die ihrerseits auf eine bestimmte Weise zueinander in Beziehung gesetzt sein müssen (z. B. durch Vergleich). Das Verhältnis und die Art und Weise seiner Spezifikation gehören damit zusammen, sodass beide, das Was‐sein und das Wie‐sein von ‚etwas‘ und die Rede von ihm, seine Darstellung oder Verkörperung und Übersetzung etc. ausmacht. Das Medium bezieht sich auf diese zweite Seite, und die entscheidende Einsicht besteht darin, dass diese nicht passiver Natur ist, sondern an der Konstitution dessen, ‚was es gibt‘ aktiv beteiligt ist. Dem Medialen kommt darum nicht direkt eine signifikative Funktion zu, wohl aber modelliert es diese und formt ihre Gestalten.