Der medienphilosophisch noch nicht kanonisierte Begriff der Ontographie wurde und wird in verschiedenen Kontexten und divergierenden Funktionen eingesetzt. Einen einheitlichen Begriffsgebrauch gibt es nicht. Den unverändert besten Überblick darüber bietet M. Stadlers (2014) maßgebliche Untersuchung zur Ontographie in der Philosophie an. Einer der ersten nachweisbaren Auftritte des Begriffs „Ontographie“ erfolgt in einer Gespenstergeschichte aus dem Jahr 1904 (James 1904). Jenseits davon kann Ontographie entweder als philosophische oder als wissenschaftliche Methode verstanden werden und wird in beiden Fällen sowohl explizit aufgerufen wie implizit‐konzeptuell wirksam. Den Verwendungen des Begriffs ist aber gemeinsam, dass er in ein Spannungsverhältnis zur Ontologie und zu Abstraktion und Begriffsdenken gebracht sowie an visuelle und eben graphische Operationen bzw. Medien gebunden. In der Medienphilosophie hat der Begriff der Ontographie eine besondere Verwendung erfahren (Engell 2026). Er wird hier eingesetzt, um wirklichkeits‐ und seinssetzende Operationen der Medien selbst, etwa der technischen Bildmedien, zu beschreiben sowie zugleich die spezifischen Seinsmodi zu erfassen, die den medial, eben ontographisch erzeugten Wirklichkeiten daraus erwachsen (Engell 2017: 23 f.). Der Begriff ist aber auch außerhalb der Philosophie einschlägig und medienwissenschaftlich anschlussfähig, so in der Geographie, der Ethnologie und Anthropologie, der Physik und den Science and Technology Studies.

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Ontographie

  • Lorenz Engell

摘要

Der medienphilosophisch noch nicht kanonisierte Begriff der Ontographie wurde und wird in verschiedenen Kontexten und divergierenden Funktionen eingesetzt. Einen einheitlichen Begriffsgebrauch gibt es nicht. Den unverändert besten Überblick darüber bietet M. Stadlers (2014) maßgebliche Untersuchung zur Ontographie in der Philosophie an. Einer der ersten nachweisbaren Auftritte des Begriffs „Ontographie“ erfolgt in einer Gespenstergeschichte aus dem Jahr 1904 (James 1904). Jenseits davon kann Ontographie entweder als philosophische oder als wissenschaftliche Methode verstanden werden und wird in beiden Fällen sowohl explizit aufgerufen wie implizit‐konzeptuell wirksam. Den Verwendungen des Begriffs ist aber gemeinsam, dass er in ein Spannungsverhältnis zur Ontologie und zu Abstraktion und Begriffsdenken gebracht sowie an visuelle und eben graphische Operationen bzw. Medien gebunden. In der Medienphilosophie hat der Begriff der Ontographie eine besondere Verwendung erfahren (Engell 2026). Er wird hier eingesetzt, um wirklichkeits‐ und seinssetzende Operationen der Medien selbst, etwa der technischen Bildmedien, zu beschreiben sowie zugleich die spezifischen Seinsmodi zu erfassen, die den medial, eben ontographisch erzeugten Wirklichkeiten daraus erwachsen (Engell 2017: 23 f.). Der Begriff ist aber auch außerhalb der Philosophie einschlägig und medienwissenschaftlich anschlussfähig, so in der Geographie, der Ethnologie und Anthropologie, der Physik und den Science and Technology Studies.