Der Medienkonstruktivismus ist eine medienphilosophische Position, die die epistemischen Voraussetzungen und den ontologischen Stellenwert von medialen Systemen thematisiert sowie in sehr unterschiedlichen Spielarten die kognitive Konstruiertheit moderner Medienkulturen problematisiert. Ohne interdisziplinäre Anleihen aus anderen Theoriekonzeptionen wie der Kybernetik und Systemtheorie ist der im Übergang von den 1980er‐ auf die 1990er‐Jahre entstandene Medienkonstruktivismus nicht zu denken. In der Diskussion um konstruktivistische Theorieangebote traten Humberto Maturana (biologische Epistemologie), Heinz von Foerster (operative Erkenntnistheorie), Jean Piaget (genetische Erkenntnistheorie) und Ernst von Glasersfeld (radikaler Konstruktivismus) besonders prominent hervor. Was diese Forscher eint, ist u. a. das Interesse an Modellen der Selbstorganisation im Lebendigen, d. h. in biologischen, kognitiven und sozialen Systemen. Strenge Grenzziehungen zwischen natur‐ und geisteswissenschaftlichen Ansätzen sind den Vertretern der Denkschule des Konstruktivismus fremd. Vielmehr oszillieren die Positionen zwischen „‚naturalistischen‘ und ‚kulturalistischen‘ Konstruktivismen“ (Weber 2010: 173).

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Medienkonstruktivismus

  • Christian Bauer

摘要

Der Medienkonstruktivismus ist eine medienphilosophische Position, die die epistemischen Voraussetzungen und den ontologischen Stellenwert von medialen Systemen thematisiert sowie in sehr unterschiedlichen Spielarten die kognitive Konstruiertheit moderner Medienkulturen problematisiert. Ohne interdisziplinäre Anleihen aus anderen Theoriekonzeptionen wie der Kybernetik und Systemtheorie ist der im Übergang von den 1980er‐ auf die 1990er‐Jahre entstandene Medienkonstruktivismus nicht zu denken. In der Diskussion um konstruktivistische Theorieangebote traten Humberto Maturana (biologische Epistemologie), Heinz von Foerster (operative Erkenntnistheorie), Jean Piaget (genetische Erkenntnistheorie) und Ernst von Glasersfeld (radikaler Konstruktivismus) besonders prominent hervor. Was diese Forscher eint, ist u. a. das Interesse an Modellen der Selbstorganisation im Lebendigen, d. h. in biologischen, kognitiven und sozialen Systemen. Strenge Grenzziehungen zwischen natur‐ und geisteswissenschaftlichen Ansätzen sind den Vertretern der Denkschule des Konstruktivismus fremd. Vielmehr oszillieren die Positionen zwischen „‚naturalistischen‘ und ‚kulturalistischen‘ Konstruktivismen“ (Weber 2010: 173).