Transzendentalphilosophie und Media Turn
摘要
Die Verbindungen zwischen Philosophie auf der einen und Wissenschaften sowie anderen kulturellen und lebensweltlichen Diskursen auf der anderen Seite sind historisch und systematisch komplex. So waren z. B. Psychologie und Soziologie lange Zeit Teilbereiche der Philosophie, lösten sich jedoch im 19. Jahrhundert von ihr ab, wurden eigenständige Disziplinen und haben zur Philosophie trotzdem nie ganz die Brücken abgebrochen. Sie kommen von Zeit zu Zeit – explizit oder wenigstens implizit – wieder auf sie zurück. Ähnliches gilt schon für die antiken Wissenschaften (vgl. Barta 2024). Rückkoppelungen erfolgen aber auch umgekehrt, wenn die Philosophie Anregungen von außen aufnimmt und integriert (wenn z. B. Platon die Mathematik oder Hegel die Geschichte oder Moore die Alltagssprache in die Philosophie hereinholten). Geht es in einem nicht‐philosophischen Diskurs etwa um die Klärung von Arbeitsbegriffen oder um theoretische Grundlagenreflexion, gewinnt ein solcher Diskurs umgehend einen quasi „philosophischen“ Charakter. Besonders in den Umbruchszeiten einer Disziplin stellen sich interne Fragen wie nach der Qualität und Ordnung des Wirklichen, nach Wahrheit und Täuschung (bzw. Verlässlichkeit und Anwendbarkeit von Annahmen) oder nach angemessener Praxis und moralischer Verantwortung. Es sind dies drei fundamentale Themen, denen die antike Einteilung der Philosophie in Physik (damals der Name für Ontologie), Logik (inklusive Erkenntnistheorie) und Ethik entspricht. Im 18. Jahrhundert kam Ästhetik – vorerst nur auf Kunst, später integrativ auf die gesamte Lebensgestaltung bezogen – als vierte Grunddisziplin hinzu. Auch gegenwärtig sind es vornehmlich ontologische, erkenntnistheoretische, ethische und ästhetische Themen, die den Diskurs Philosophie bestimmen, gelegentlich aber auch (unter zuweilen neuen, ungewohnten Bezeichnungen) in nichtphilosophischen Diskursen auftauchen.