Im Kontext der Debatte um das ‚Postgedächtnis‘ und um die ‚multidirektionale‘ Erinnerung schlägt der vorliegende Beitrag eine komparative Analyse von Hildesheimers Zeiten in Cornwall (1971) und Pedrettis Heiliger Sebastian (1973) vor. Hildesheimers Bericht kreist um die Rückkehr des Erzählers nach Cornwall, wo der Autor auch selbst als junger Maler gelebt hat. Auch Pedrettis Roman greift eine Episode aus der Biographie der Schriftstellerin auf: Ihre Reise in die mährische Heimat, viele Jahre nach ihrem erzwungenen Exil. Dieses ambivalente Verhältnis zwischen Realität und Fiktion, das beide Texte charakterisiert, erlaubt eine Reflexion über die Erinnerung. Hildesheimers und Pedrettis Erzähler konfrontieren sich mit den vielen Ungenauigkeiten ihres Gedächtnisses, mit den Lücken in ihren Erinnerungen. Diese Aspekte werden jedoch nicht als Unannehmlichkeiten betrachtet, die es zu überwinden gilt, sondern vielmehr als Zeichen einer Vielstimmigkeit der Erinnerung, die von der engen Beziehung zwischen Erinnern und Erzählen sprechen und tradierte Allegorien und Denkmodelle des Gedächtnisses infrage stellen.

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Die Vielstimmigkeit der Erinnerung in Wolfgang Hildesheimers Zeiten in Cornwall (1971) und Erica Pedrettis Heiliger Sebastian (1973)

  • Emanuela Ferragamo

摘要

Im Kontext der Debatte um das ‚Postgedächtnis‘ und um die ‚multidirektionale‘ Erinnerung schlägt der vorliegende Beitrag eine komparative Analyse von Hildesheimers Zeiten in Cornwall (1971) und Pedrettis Heiliger Sebastian (1973) vor. Hildesheimers Bericht kreist um die Rückkehr des Erzählers nach Cornwall, wo der Autor auch selbst als junger Maler gelebt hat. Auch Pedrettis Roman greift eine Episode aus der Biographie der Schriftstellerin auf: Ihre Reise in die mährische Heimat, viele Jahre nach ihrem erzwungenen Exil. Dieses ambivalente Verhältnis zwischen Realität und Fiktion, das beide Texte charakterisiert, erlaubt eine Reflexion über die Erinnerung. Hildesheimers und Pedrettis Erzähler konfrontieren sich mit den vielen Ungenauigkeiten ihres Gedächtnisses, mit den Lücken in ihren Erinnerungen. Diese Aspekte werden jedoch nicht als Unannehmlichkeiten betrachtet, die es zu überwinden gilt, sondern vielmehr als Zeichen einer Vielstimmigkeit der Erinnerung, die von der engen Beziehung zwischen Erinnern und Erzählen sprechen und tradierte Allegorien und Denkmodelle des Gedächtnisses infrage stellen.