In seinem siebenteiligen Roman À la recherche du temps perdu (1913–1927) setzt Marcel Proust unterschiedliche Formen der Erinnerung ein. Der vorliegende Beitrag analysiert sein Erinnerungskonzept anhand des Romanteils Eine Liebe von Swann (OT: Un amour de Swann) und dessen filmischer Adaption durch Volker Schlöndorff (1984) mit demselben Titel. Ausgangspunkt ist die Frage, inwiefern die im literarischen Text zentrale Dichotomie von bewusster und unbewusster Erinnerung – ‚mémoire volontaire‘ vs. ‚mémoire involontaire‘ – im Medium Film adäquat übersetzt werden kann. Methodisch erfolgt ein werkimmanenter Vergleich der narrativen, ästhetischen und strukturellen Umsetzung des Erinnerungskonzepts in Roman und Film. Ausgehend von der Hypothese, dass das literarische Erinnern bei Proust wesentlich an sprachliche und reflexive Strukturen gebunden ist, wird erwartet, dass Schlöndorffs Film dies nur durch spezifische filmische Mittel wie Rückblenden, Montage und symbolische Bildführung einlösen kann. Welche Veränderungen resultieren aus dem Perspektivwechsel im Medienwechsel in Bezug auf die Narration der Erinnerung? Die Analyse belegt die filmische Überführung der komplexen Zeit- und Erinnerungserfahrung Prousts. Es gelingt Schlöndorff, zentrale Motive – insbesondere die destruktive Dynamik der Eifersucht und das Wiedererleben der Vergangenheit – in eigenständiger filmsprachlicher Form darzustellen. Der Beitrag zeigt exemplarisch die Herausforderungen und Potenziale medialer Transformation literarischer Erinnerungskonzepte.

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Marcel Prousts Erinnerungskonzept in literar- und filmästhetischer Analyse. Eine Liebe von Swann und Volker Schlöndorffs Verfilmung im Vergleich

  • Janin Aadam

摘要

In seinem siebenteiligen Roman À la recherche du temps perdu (1913–1927) setzt Marcel Proust unterschiedliche Formen der Erinnerung ein. Der vorliegende Beitrag analysiert sein Erinnerungskonzept anhand des Romanteils Eine Liebe von Swann (OT: Un amour de Swann) und dessen filmischer Adaption durch Volker Schlöndorff (1984) mit demselben Titel. Ausgangspunkt ist die Frage, inwiefern die im literarischen Text zentrale Dichotomie von bewusster und unbewusster Erinnerung – ‚mémoire volontaire‘ vs. ‚mémoire involontaire‘ – im Medium Film adäquat übersetzt werden kann. Methodisch erfolgt ein werkimmanenter Vergleich der narrativen, ästhetischen und strukturellen Umsetzung des Erinnerungskonzepts in Roman und Film. Ausgehend von der Hypothese, dass das literarische Erinnern bei Proust wesentlich an sprachliche und reflexive Strukturen gebunden ist, wird erwartet, dass Schlöndorffs Film dies nur durch spezifische filmische Mittel wie Rückblenden, Montage und symbolische Bildführung einlösen kann. Welche Veränderungen resultieren aus dem Perspektivwechsel im Medienwechsel in Bezug auf die Narration der Erinnerung? Die Analyse belegt die filmische Überführung der komplexen Zeit- und Erinnerungserfahrung Prousts. Es gelingt Schlöndorff, zentrale Motive – insbesondere die destruktive Dynamik der Eifersucht und das Wiedererleben der Vergangenheit – in eigenständiger filmsprachlicher Form darzustellen. Der Beitrag zeigt exemplarisch die Herausforderungen und Potenziale medialer Transformation literarischer Erinnerungskonzepte.