„Sein Name gehört nicht zu denen, die genannt werden“ – Erinnerung, Anerkennung und ästhetische Selbstverortung in Theodor Storms Aquis submersus
摘要
Der Beitrag liest Theodor Storms Aquis submersus als poetologisch ambitionierten Gedächtnistext, in dem kulturelle Erinnerung und soziale Anerkennung auf exemplarische Weise ineinandergreifen. Vor dem Hintergrund politischer, sozialer und religiöser Konflikte deutet die Analyse die Novelle als identitätsstiftende Reaktion auf subjektive und kollektive Verunsicherung. In theoretischer Hinsicht verbindet sie Konzepte des kulturellen Gedächtnisses (Aleida und Jan Assmann), der postmemory (Marianne Hirsch) und der Anerkennungstheorie (Axel Honneth) zu einem transdisziplinären Deutungsmodell, das die ästhetische und soziale Funktion realistischer Erzählkunst neu konturiert. Mittels Erinnerungen, Bildern, einer Hausinschrift und einer Chronik entsteht ein narrativer Reflexionsraum, in dem marginalisierte Subjekte nachträgliche Sichtbarkeit und symbolische Rehabilitation erfahren. Storms poetologische Konstruktion verweist auf die ethische Dimension von Literatur als Ort nachträglicher Gerechtigkeit. Aquis submersus wird so lesbar als literarisches Plädoyer für eine symbolische Rehabilitierung des Ausgeschlossenen – und als Reflexion über das Vermögen realistischer Erzählkunst, Erinnerung und Anerkennung als komplementäre Modi kultureller Selbstverständigung zu gestalten.