Der Beitrag fokussiert die Konstruktion der Erinnerungen in der internationalen Literatur der Gegenwart. Die leitende These des Artikels lautet, dass für eine effiziente Darstellung von Reminiszenzen an die individuelle, aber auch an die historische Vergangenheit Strukturen der unzuverlässigen Narration implementiert werden. Diese kommen besonders dann zum Einsatz, wenn es sich um die Rekonstruktion der Mechanismen der Erinnerungspolitik handelt. Vor dem Hintergrund einer kritischen Reflexion divergenter Modelle der narrativen Irreliabilität wird im ersten Schritt eine Präzisierung des Unzuverlässigkeitsbegriffs vorgenommen. Das Fundament für die Begriffsextension bilden die konkreten Tätigkeiten des Erzählers. Darüber hinaus wird die Möglichkeit, die auktoriale Perspektive und/oder Leserinterpretationen zu berücksichtigen, nicht exkludiert. Die Einbeziehung dieser Instanzen erlaubt eine präzisere Betrachtung der Narrative. Basierend auf der herausgearbeiteten Definition erfolgt eine Analyse ausgewählter Texte aus dem Bereich der internationalen Gegenwartsliteratur. Es handelt sich dabei um den metapoetischen Roman Die Stadt und ihre ungewisse Mauer von Haruki Murakami, um den ‚autobiographischen‘ Roman Herkunft von Saša Stanišić sowie um die Erzählung Titan von Sergej Lebedew aus dem Erzählband Titan oder die Gespenster der Vergangenheit. Die drei internationalen Autoren entscheiden sich zur Darstellung nicht verifizierbarer Reminiszenzen ihrer Figuren für die unzuverlässige Narration, setzten sie jedoch unterschiedlich ein und rekurrieren auf divergierende Arten der narrativen Irreliabilität.

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Die Paradigmen der Erinnerung: Überlegungen zur ästhetischen Konstruktion des Erinnerns in der Literatur der Gegenwart

  • Ksenia Kuzminykh

摘要

Der Beitrag fokussiert die Konstruktion der Erinnerungen in der internationalen Literatur der Gegenwart. Die leitende These des Artikels lautet, dass für eine effiziente Darstellung von Reminiszenzen an die individuelle, aber auch an die historische Vergangenheit Strukturen der unzuverlässigen Narration implementiert werden. Diese kommen besonders dann zum Einsatz, wenn es sich um die Rekonstruktion der Mechanismen der Erinnerungspolitik handelt. Vor dem Hintergrund einer kritischen Reflexion divergenter Modelle der narrativen Irreliabilität wird im ersten Schritt eine Präzisierung des Unzuverlässigkeitsbegriffs vorgenommen. Das Fundament für die Begriffsextension bilden die konkreten Tätigkeiten des Erzählers. Darüber hinaus wird die Möglichkeit, die auktoriale Perspektive und/oder Leserinterpretationen zu berücksichtigen, nicht exkludiert. Die Einbeziehung dieser Instanzen erlaubt eine präzisere Betrachtung der Narrative. Basierend auf der herausgearbeiteten Definition erfolgt eine Analyse ausgewählter Texte aus dem Bereich der internationalen Gegenwartsliteratur. Es handelt sich dabei um den metapoetischen Roman Die Stadt und ihre ungewisse Mauer von Haruki Murakami, um den ‚autobiographischen‘ Roman Herkunft von Saša Stanišić sowie um die Erzählung Titan von Sergej Lebedew aus dem Erzählband Titan oder die Gespenster der Vergangenheit. Die drei internationalen Autoren entscheiden sich zur Darstellung nicht verifizierbarer Reminiszenzen ihrer Figuren für die unzuverlässige Narration, setzten sie jedoch unterschiedlich ein und rekurrieren auf divergierende Arten der narrativen Irreliabilität.