Diese Kunst der Mitteilung wird im Horizont der philosophischen Tradition entfaltet. Ausgehend von Nietzsches eigenen Äußerungen erscheint er als Autor, der seine Leserschaft differenziert adressiert und deren Heterogenität psychologisch wie stilistisch vorausbedacht. Die ab Menschliches entwickelte und später zur Meisterschaft gebrachte Doppelstrategie von Enthüllung und Verhüllung zeigt sich in der maskierenden wie zugleich offenbarenden Form seiner Schriften. Nietzsche knüpft damit an die Tradition esoterisch-exoterischer Lehre an, die seit der Antike die Wahrheit für wenige reserviert und vor den vielen verbirgt – sei es aus Schutz vor Verfolgung oder zur Schonung ungeeigneter Leser. Im Bewusstsein der Verschiedenartigkeit der Menschentypen und mit Blick auf die Natur des Politischen wird diese Artikulationsform für Nietzsche zum notwendigen Mittel, philosophische Inhalte zugleich mitzuteilen und zu verschleiern. Somit kann nur der aufmerksame Leser die verborgene Intention erschließen, weshalb die philologische Kunst des genauen Lesens zur Bedingung der Philosophie selbst wird. Menschliches erscheint als paradigmatisches Beispiel, in dem sich Nietzsches philosophischer Neubeginn erstmals mit der Frage nach Adressaten, Intention und Form der Mitteilung verschränkt.

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Concealing by Revealing – Revealing by Concealing. Zur Intention des Autors und Natur der Adressaten

  • Katharina Zech

摘要

Diese Kunst der Mitteilung wird im Horizont der philosophischen Tradition entfaltet. Ausgehend von Nietzsches eigenen Äußerungen erscheint er als Autor, der seine Leserschaft differenziert adressiert und deren Heterogenität psychologisch wie stilistisch vorausbedacht. Die ab Menschliches entwickelte und später zur Meisterschaft gebrachte Doppelstrategie von Enthüllung und Verhüllung zeigt sich in der maskierenden wie zugleich offenbarenden Form seiner Schriften. Nietzsche knüpft damit an die Tradition esoterisch-exoterischer Lehre an, die seit der Antike die Wahrheit für wenige reserviert und vor den vielen verbirgt – sei es aus Schutz vor Verfolgung oder zur Schonung ungeeigneter Leser. Im Bewusstsein der Verschiedenartigkeit der Menschentypen und mit Blick auf die Natur des Politischen wird diese Artikulationsform für Nietzsche zum notwendigen Mittel, philosophische Inhalte zugleich mitzuteilen und zu verschleiern. Somit kann nur der aufmerksame Leser die verborgene Intention erschließen, weshalb die philologische Kunst des genauen Lesens zur Bedingung der Philosophie selbst wird. Menschliches erscheint als paradigmatisches Beispiel, in dem sich Nietzsches philosophischer Neubeginn erstmals mit der Frage nach Adressaten, Intention und Form der Mitteilung verschränkt.