Viertes Hauptstück. Aus der Seele der Künstler und Schriftsteller
摘要
Das vierte Hauptstück (79 Aphorismen) setzt sich mit der Kunst, insbesondere mit Wagners Genieästhetik, auseinander. Nietzsche zeigt, dass Berufungen auf ›Inspiration‹ und ›Genie‹ metaphysische und religiöse Illusionen fortschreiben und das wissenschaftliche Denken unterlaufen. Kunst erweist sich als Fälschung der Welt, die durch Verschönerung und Mystifizierung Lebenssinn erzeugen will. Nietzsche entlarvt das ›Genie‹ als Resultat von Übung, Disziplin und gesellschaftlichen Bedingungen, verweist aber auf die Hartnäckigkeit des Publikums, aus Selbstschutz am Genieglauben festzuhalten. Neben der Kritik an Tragödie und dichterischer Rhetorik bestimmt er auch die Wissenschaft als mögliche Erbin des metaphysischen Bedürfnisses. Das Hauptstück hat autobiographisches Gewicht: Nietzsche revidiert seine eigene Vergangenheit als Verteidiger der tragischen Kunst und bekräftigt im Bruch mit Wagner seinen philosophischen Neubeginn.