Veränderungen kultureller Lebensstile (z. B. Landwirtschaft) führen dazu, dass bestimmte Genvariationen evolutionäre Vorteile bringen. Die helleren Haut-, Haar- und Augenfarben setzten sich in Europa durch, nachdem sich die entsprechenden Varianten in den Genen SLC24A5, SLC45A2 und OCA2 aus Mesopotamien, dem Kaukasus und Anatolien ausgebreitet hatten und den Menschen im Norden und Westens Europas mit geringem, aber saisonal schwankenden UV-Anteil im Sonnenlicht unter den Bedingungen einer sesshaften bäuerlichen Kultur einen Selektionsvorteil geboten haben. Die Laktase-Persistenz entwickelt sich unabhängig voneinander in verschiedenen Teilen der Welt durch unterschiedliche, spontane Punktmutationen in einem Enhancer des LCT-Gens. Milch steht damit vor allem kranken Menschen zur Verfügung und bietet in dieser Kombination einen großen Selektionsvorteil. Menschen haben sich seit langem an das Leben in großen Höhen angepasst. Die Menschen im tibetanischen Hochland verfügen über einen Haplotyp im EPAS1-Gen, der offensichtlich von den Denisova-Menschen eingekreuzt wurde, und über eine Deletion unterhalb des EPAS1-Gens. Beides zusammen unterlag positiver Selektion. Gene mit positiver Selektion werden auch im Hochland der Anden und im äthiopischen Hochland diskutiert. Unser Immunsystem ist sehr vielfältig; offensichtlich verleiht uns ein gewisser Anteil an archaischen Genvarianten besonderen Schutz: in Europa sind über 50 % des HLA-A-Genorts archaischen Ursprungs, in Asien über 70 % und über 95 % in Ozeanien. In Bezug auf COVID-19 ist die Bilanz aber zwiespältig: die archaische Variante auf Chromosom 3p21 erhöht das COVID-19 Risiko, wohingegen die Variante auf Chromosom 12q24 das COVID-19-Risiko vermindert. Zwar nimmt die Lebenserwartung der Menschen weltweit in den letzten 150 Jahren ständig zu; es ist aber wahrscheinlich, dass die menschliche Lebensspanne auf ~125 Jahre begrenzt ist. Varianten der Gene APOE und FOXO3 sind für eine längere Lebenserwartung mitverantwortlich.

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Anpassungsfähigkeit und Kreativität

  • Jochen Graw

摘要

Veränderungen kultureller Lebensstile (z. B. Landwirtschaft) führen dazu, dass bestimmte Genvariationen evolutionäre Vorteile bringen. Die helleren Haut-, Haar- und Augenfarben setzten sich in Europa durch, nachdem sich die entsprechenden Varianten in den Genen SLC24A5, SLC45A2 und OCA2 aus Mesopotamien, dem Kaukasus und Anatolien ausgebreitet hatten und den Menschen im Norden und Westens Europas mit geringem, aber saisonal schwankenden UV-Anteil im Sonnenlicht unter den Bedingungen einer sesshaften bäuerlichen Kultur einen Selektionsvorteil geboten haben. Die Laktase-Persistenz entwickelt sich unabhängig voneinander in verschiedenen Teilen der Welt durch unterschiedliche, spontane Punktmutationen in einem Enhancer des LCT-Gens. Milch steht damit vor allem kranken Menschen zur Verfügung und bietet in dieser Kombination einen großen Selektionsvorteil. Menschen haben sich seit langem an das Leben in großen Höhen angepasst. Die Menschen im tibetanischen Hochland verfügen über einen Haplotyp im EPAS1-Gen, der offensichtlich von den Denisova-Menschen eingekreuzt wurde, und über eine Deletion unterhalb des EPAS1-Gens. Beides zusammen unterlag positiver Selektion. Gene mit positiver Selektion werden auch im Hochland der Anden und im äthiopischen Hochland diskutiert. Unser Immunsystem ist sehr vielfältig; offensichtlich verleiht uns ein gewisser Anteil an archaischen Genvarianten besonderen Schutz: in Europa sind über 50 % des HLA-A-Genorts archaischen Ursprungs, in Asien über 70 % und über 95 % in Ozeanien. In Bezug auf COVID-19 ist die Bilanz aber zwiespältig: die archaische Variante auf Chromosom 3p21 erhöht das COVID-19 Risiko, wohingegen die Variante auf Chromosom 12q24 das COVID-19-Risiko vermindert. Zwar nimmt die Lebenserwartung der Menschen weltweit in den letzten 150 Jahren ständig zu; es ist aber wahrscheinlich, dass die menschliche Lebensspanne auf ~125 Jahre begrenzt ist. Varianten der Gene APOE und FOXO3 sind für eine längere Lebenserwartung mitverantwortlich.