Confirmation bias? Ist die Dominanz der Amyloid-Kaskaden-Hypothese ein Ergebnis ständiger Bestätigungsfehler?
摘要
Wenn eine Hypothese lange existiert, ist es wahrscheinlich, dass die Menge an Anhängern stetig wächst, sie zum Maintsream, und die Zahl der Zweifler geringer wird. Ein Dilemma der Amyloid-Kaskaden-Hypothese besteht darin, dass ihre Unterstützer den ultimativen Beweis der Hypothese in einem überzeigenden klinischen Erfolg sehen, dieser aber bis heute noch nicht vorliegt. Auch wenn die Entfernung von Amyloid aus dem Gehirn mit Anti-Amyloid-Antikörpern gut gelingt, hat dies bisher noch zu keinem überzeugenden klinischen Nutzen, zu keinem echten therapeutischen Durchbruch oder gar zur Heilung der großen Zahl der Alzheimer-Demenz-Fälle geführt. Das Feld sieht einen Berg von Daten vor sich, die sich über mehr als 30 Jahre angesammelt haben und vor allem Amyloid-Beta mit Alzheimer in Verbindung bringen. Viele Daten auch heute noch bestätigen die Argumentationslinie einer linearen Ursache-Wirkungs-Beziehung, die am Beginn einer Kaskade von Aß ausgelöst wird. Alles erscheint einfach und klar, möglicherweise zu einfach, wenn man sich die Komplexität dieser Gehirnerkrankung vor Augen führt. Der Berg an Pro-Amyloid Daten scheint eine ‚too-big-to-fail‘-Situation geschaffen zu haben, was zu einer weiteren Zunahme der Menge an bestätigenden Daten führt. Bestätigungsfehler (confirmation bias) sind sehr oft in der Wissenschaft zu beobachtende. Es gibt sehr viele Bespiele für einen confirmation bias gerade in der Alzheimer-Forschung. Kann das Amyloid-Kaskaden-Konzept falsch sein, wenn man bereits über drei Jahrzehnte daran forscht und so viele diese These betätigende Daten existieren, oder ist doch alles anders? Es ist immer sehr schwer, gegen eine führende Hypothese und den Mainstream einer Forschungsrichtung zu argumentieren, wenn man gegensätzliche Ergebnisse findet. Ein weiteres Problem der ‚Amyloid-verursacht-Alzheimer-Idee‘ der Amyloid-Kaskaden-Hypothese ist, dass der Druck so hoch ist, nach all dem Investment nun doch endlich die These auch klinisch zu beweisen, was zu fast unerfüllbaren Erwartungen hinsichtlich einer wirksamen Therapie oder gar Heilung führt. Ständiges Bestätigen des Mainstreams und Ignorieren von gegenläufigen Befunden macht eine falsche Hypothese nicht richtiger.