Tau-Tangles sind auffällige Anomalien im post-mortem Gehirngewebe von Alzheimer-Patienten, aber ebenso wie das Amyloid-Beta-Plaques auch bei normalen älteren Menschen zu finden. Das Tau-Protein hat vielfache physiologische Funktionen in Nervenzellen und die Biochemie des Tau-Proteins ist komplex. So existieren verschiedene Tau-Varianten und Tau ist vielfach posttranslational verändert, vor allem durch Phosphorylierungen, die dann zu strukturellen und Funktionsveränderungen führen. Physiologisch stabilisiert das Tau-Protein die Mikrotubuli in Neuronen und gewährleistet so die zytoskelettale Morphologie und den axonalen Transport; aber Tau hat vermutlich viele weitere noch unbekannte Funktionen in der Nervenzelle. Neurofibrilläre Tangles (NFTs) bestehen aus Aggregaten von sehr stark phosphoryliertem Tau. In post-mortem Alzheimer-Gewebe werden diese dann auch als Überreste degenerierter Neuronen bezeichnet. Die Tau-Hypothese, auch Tau-und-Tangle-Hypothese genannt, definiert die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit auf Basis einer Fehlfunktion von Tau. Allerdings wird eine Tau-Pathologie in einer ganzen Reihe verschiedener neurodegenerativer Erkrankungen gefunden, den sogenannten Tauopathien; die Tau-Pathologie ist somit ein sehr unspezifisches histologisches post-mortem Merkmal der Alzheimer-Krankheit. Nach Jahren der künstlichen Trennung der Alzheimer-Forschung in die ‚Baptisten‘, Forscher, die sich auf Aß konzentrierten, und die ‚Tauisten‘, die sich um Tau kümmerten, wurde 2001 der Nachweis erbracht, dass beide Proteine in einem pathologischen Wechselspiel stehen können. Seither wird Aß an den Beginn der Krankheitskaskade (upstream) positioniert und dem Tau eine Rolle als downstream-Effektor, eng verbunden mit dem Nervenzelltod, zugewiesen. Analog zu Amyloid ist mittlerweile auch das Tau-Protein als pharmakologisches Ziel im Fadenkreuz von neuen Impfansätze (mit Anti-Tau-Antikörpern). Trotz intensiver und ebenfalls Jahrzehnte andauernder Untersuchungen zur Tau-Biologie gibt es immer noch viele Lücken im Verständnis der Rolle von Tau in der neuronalen Physiologie sowie Pathologie.

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Im Windschatten von Amyloid: die Tau-und-Tangle-Hypothese

  • Christian Behl

摘要

Tau-Tangles sind auffällige Anomalien im post-mortem Gehirngewebe von Alzheimer-Patienten, aber ebenso wie das Amyloid-Beta-Plaques auch bei normalen älteren Menschen zu finden. Das Tau-Protein hat vielfache physiologische Funktionen in Nervenzellen und die Biochemie des Tau-Proteins ist komplex. So existieren verschiedene Tau-Varianten und Tau ist vielfach posttranslational verändert, vor allem durch Phosphorylierungen, die dann zu strukturellen und Funktionsveränderungen führen. Physiologisch stabilisiert das Tau-Protein die Mikrotubuli in Neuronen und gewährleistet so die zytoskelettale Morphologie und den axonalen Transport; aber Tau hat vermutlich viele weitere noch unbekannte Funktionen in der Nervenzelle. Neurofibrilläre Tangles (NFTs) bestehen aus Aggregaten von sehr stark phosphoryliertem Tau. In post-mortem Alzheimer-Gewebe werden diese dann auch als Überreste degenerierter Neuronen bezeichnet. Die Tau-Hypothese, auch Tau-und-Tangle-Hypothese genannt, definiert die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit auf Basis einer Fehlfunktion von Tau. Allerdings wird eine Tau-Pathologie in einer ganzen Reihe verschiedener neurodegenerativer Erkrankungen gefunden, den sogenannten Tauopathien; die Tau-Pathologie ist somit ein sehr unspezifisches histologisches post-mortem Merkmal der Alzheimer-Krankheit. Nach Jahren der künstlichen Trennung der Alzheimer-Forschung in die ‚Baptisten‘, Forscher, die sich auf Aß konzentrierten, und die ‚Tauisten‘, die sich um Tau kümmerten, wurde 2001 der Nachweis erbracht, dass beide Proteine in einem pathologischen Wechselspiel stehen können. Seither wird Aß an den Beginn der Krankheitskaskade (upstream) positioniert und dem Tau eine Rolle als downstream-Effektor, eng verbunden mit dem Nervenzelltod, zugewiesen. Analog zu Amyloid ist mittlerweile auch das Tau-Protein als pharmakologisches Ziel im Fadenkreuz von neuen Impfansätze (mit Anti-Tau-Antikörpern). Trotz intensiver und ebenfalls Jahrzehnte andauernder Untersuchungen zur Tau-Biologie gibt es immer noch viele Lücken im Verständnis der Rolle von Tau in der neuronalen Physiologie sowie Pathologie.