Zur Methode
摘要
Der Interpret muss dem von Hölderlin selbst benannten „Bezugssystem“ (Barthes) folgen. Dazu gehören Hölderlins Erfahrungen im individuellen und gesellschaftlichen Umfeld, seine religiösen und politischen Überzeugungen sowie philosophische Einflüsse und solche der Naturwissenschaften und der Musik. Das Madonnengedicht ist eine sehr späte in Homburg verfasste immanente Poetologie, mit der Hölderlin sein zukünftiges Werk dem veränderten Zeitgeist nach 1800 anpasst. Dem Gedicht liegt eine methodisch stringente “Verfahrungsweise“ zugrunde, die das verstummte Ich einen Prozess durchlaufen lässt, in dem sein Mangel behoben und Dichtung wieder „lebendige“ Kunst werden kann. Die Bildersprache des Gedichts wird gedeutet auch durch einen kontrollierten Rückgriff (Szondi) auf die Parallelstellenmethode. (879 Zeichen)