Sprache und Allegorie
摘要
Mit der Madonna schafft Hölderlin im Rückgriff auf Herder eine seiner Poetik angepasste Form der „offenen“ Allegorie, bei der das Bild nicht mehr einem Begriff zugeordnet ist. Die Madonna wird zu einem „allegorisches Korrelat“ (R. Böschenstein), dessen Aussage sich erst auf einer dritten Zeichenebene andeutet, wodurch die Allegorie eine „poetische“ wird. Ihre mehrdeutigen Bilder verweisen auf Unerfahrenes, noch nicht Benennbares und deshalb auf Rätselhaftes, das zukunftsweisend gedeutet werden muss in „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“. Hölderlin entfernt sich vom Literalsinn Luthers und dessen Methode der Schriftauslegung. Er will nicht „nachschaffen“, sondern „neu schaffen“. Damit bekommt die allegorische Redeweise einen „offenen“ Zukunftsbezug. Die „offene“ Allegorie ist Hölderlins Antwort auf die Kritik der Spätaufklärung und der Klassik am Gebrauch der Allegorie in der Kunst. Hölderlins Allegorie ist integraler Bestandteil sentimentalischer, das heißt moderner, reflexiver Dichtung.