Bret Easton Ellis’ jüngster, von 2020 bis 2021 seriell als Podcast veröffentlichter Roman The Shards reflektiert sowohl Tendenzen des zeitgenössischen autofiktionalen Erzählens als auch von True-Crime-Narrativen, die in den letzten Jahren insbesondere in Podcast-Formaten erfolgreich waren. Durch das Einflechten von vermeintlich autobiografischen Erinnerungen in den bereits seit mehr als zehn Jahren aktiven The Bret Easton Ellis Podcast gelang es dem Autor zunächst, weite Teile seines Publikums von der Faktizität seiner Erzählung eines Serienmörders im Los Angeles der 1980er Jahre zu überzeugen. Hierfür nutzte Ellis die medienspezifischen Möglichkeiten des Podcasts, suggerierte seinen Hörer*innen einen exklusiven, nur im diesem Format möglichen Zugang zu seinen persönlichen Erinnerungen und aktivierte durch gezielte Interaktion mit seinem Publikum dessen detektivischen Aufklärungswillen. Die erst 2023 erfolgte Buchpublikation weicht gerade im Hinblick auf die Inszenierung als Autobiografie davon ab und enthält nur noch wenige Spuren des Austauschs von Autor und Hörer*innen, der die Podcast-Fassung von The Shards besonders geprägt hatte.

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Subvertiertes True Crime. Bret Easton Ellis’ The Shards

  • Nicolas Paulus

摘要

Bret Easton Ellis’ jüngster, von 2020 bis 2021 seriell als Podcast veröffentlichter Roman The Shards reflektiert sowohl Tendenzen des zeitgenössischen autofiktionalen Erzählens als auch von True-Crime-Narrativen, die in den letzten Jahren insbesondere in Podcast-Formaten erfolgreich waren. Durch das Einflechten von vermeintlich autobiografischen Erinnerungen in den bereits seit mehr als zehn Jahren aktiven The Bret Easton Ellis Podcast gelang es dem Autor zunächst, weite Teile seines Publikums von der Faktizität seiner Erzählung eines Serienmörders im Los Angeles der 1980er Jahre zu überzeugen. Hierfür nutzte Ellis die medienspezifischen Möglichkeiten des Podcasts, suggerierte seinen Hörer*innen einen exklusiven, nur im diesem Format möglichen Zugang zu seinen persönlichen Erinnerungen und aktivierte durch gezielte Interaktion mit seinem Publikum dessen detektivischen Aufklärungswillen. Die erst 2023 erfolgte Buchpublikation weicht gerade im Hinblick auf die Inszenierung als Autobiografie davon ab und enthält nur noch wenige Spuren des Austauschs von Autor und Hörer*innen, der die Podcast-Fassung von The Shards besonders geprägt hatte.