Verlebendigendes Erzählen. Ekphrastische Redeformen in Franz Kafkas Romanen
摘要
Der Beitrag untersucht am Beispiel der Beschreibung der Freiheitsstatue im Roman Der Verschollene und der Gemälde in Der Proceß die narratologische Funktionalisierung der rhetorischen Figur der Ekphrasis bei Franz Kafka. Die ekphrastische Rede, verstanden als anschauliches Vor-Augen-Führen von visuellen Objekten, wird mit dem Motiv der Periegese im Sinne von Herumführen, Herumwandern, verknüpft. Auf diese Weise wird auch über die existentielle Situation der Protagonisten reflektiert, die unablässig in eigenartige visuelle Wahrnehmungsprozesse verwickelt werden. Die ekphrastischen Passagen dienen in den untersuchten Romanen – so die Hauptthese des Beitrags – als Mikronarrative, die die Haupthandlung parabelhaft veranschaulichen, sie nicht selten verfremden und dank ihres enargetischen Potentials lebendige Präsenz erzeugen.