‚Einsinniges‘ Erzählen? Fragen der Sinnbildung in zwei Lebensgeschichten von Franz Kafka und Arthur Schnitzler
摘要
Kafkas letztlich Fragment gebliebener Roman ‚Der Verschollene‘ und Arthur Schnitzlers ‚Therese. Chronik eines Frauenlebens‘ erzählen zwei Lebensgeschichten, die die Erfahrung der Fremdheit und der (Nicht-)Integration in eine Gesellschaft zum eigentlichen Gegenstand haben. Dabei gibt es nicht nur auf der Ebene der Handlungsmuster erstaunliche Parallelen zwischen den Romanen zweier führender Vertreter der klassischen Moderne, die einander wenig schätzten. Auch im Blick auf die Art der Präsentation des Erzählten finden sich Ähnlichkeiten, die Friedrich Beißners oft zitierter Begriff des einsinnigen Erzählens nur im Ansatz erfasst. Der Beitrag bestimmt das entsprechende Phänomen aus narratologischer Sicht und untersucht die Konsequenzen, die sich in zwei wie Anti-Bildungsromane angelegten Werken aus der jeweiligen Figuralisierung und Tendenz zur Objektivierung des Subjektiven für das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft ergeben.