Phantastik als Medium der Psychologie: Die narrative Inszenierung der Ich-Dissoziation in Kafkas Beschreibung eines Kampfes (unter Einfluss von E.T.A. Hoffmann und Nietzsche)
摘要
Dieser Aufsatz analysiert die Funktionen phantastischer Konstruktion für die Psychodynamik der Identitätsproblematik, die Kafkas avantgardistische Erzählung Beschreibung eines Kampfes durch spannungsreiche Interaktionen der Figuren evident macht. Dabei sind die Krisensymptome, die Kafkas Werk im Medium phantastischer Entgrenzung inszeniert, an narrativen Strategien E.T.A. Hoffmanns und sogar konkret am Modell seiner Erzählung Die Abenteuer der Sylvester-Nacht orientiert. Doppelgänger-Figurationen als imaginative Abspaltungen eines Ich-Erzählers verraten dessen Selbstentfremdung, die mit Realitätsverlust einhergeht: Durch Ich-Dissoziation, die auch groteske Projektionen hervorbringt, entsteht eine surreale Traumwelt, die das Prinzip der Kausalität suspendiert und wie eine beliebig arrangierbare Bühnenkulisse wirkt. Kulturhistorische Horizontbildungen zeigen Bezüge zur Signatur der Moderne, zum Phantastik-Diskurs sowie zur Philosophie Nietzsches und zur Psycho(patho)logie der Epoche.