Abraham erzählen – Beobachtungen zur Fiktionalisierung von Gen 22, 1–19 (Kermani, Hebel, Kafka)
摘要
Der Beitrag beschäftigt sich mit literarischen Nacherzählungen der alttestamentlichen Erzählung von der göttlichen Versuchung Abrahams, seinen Sohn Isaak zu opfern (Gen 22,1–19), von J.P. Hebel, N. Kermani und F. Kafka. Zeigt sich bei Kermani, dass Inhalt und vor allem auch Erzählweise der biblischen Vorlage bis in die Gegenwart provozieren, lässt sich bei Hebel eine Nacherzählung in äußerster Reduktion beobachten, die den Versuchungsgedanken grammatisch nachbildet und in den Modus des Konjunktivs versetzt. Kafkas Auseinandersetzung mit dem alttestamentlichen Opfer-Mythos, die die Abraham-Figur in grotesker Weise diversifiziert, wird dagegen nicht als theologische Aussage, sondern vor allem als souveräner Akt der Freiheit literarischen Fingierens gedeutet.