Angesichts der Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung der Erde ist es vor dem Hintergrund des Systemwettbewerbs demokratischer und autoritärer Staaten zu einer Herkulesaufgabe der Politik geworden, global geltende Regeln des Zusammenlebens – nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit – zu vereinbaren und durchzusetzen. Die geschwächte globale Rechts- und Friedensordnung ist unbedingt zu erhalten; Immanuel Kant hat dafür in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ die noch immer tragfähigen Grundzüge skizziert. Mit einem Grundbekenntnis zur Freiheit und Würde macht er den Menschen zum Subjekt der Rechtsordnung – im demokratischen Staat, in einer rechtlich geordneten Völkergemeinschaft und als Weltbürger im fremden Land. Und er macht ihn zum Subjekt der Geschichte, weil nur durch seine Teilhabe in Freiheit, aber niemals durch Gewalt, Veränderungen im Zusammenleben der Menschen herbeigeführt werden können – als Reformen auf dem Weg zum ewigen Frieden im Recht. Das gilt genauso für den Weg zur Nachhaltigkeit: Noch so notwendige Veränderungen, beim Konsum, beim Reisen, beim Wohnen und in anderen Lebensbereichen, können nicht einfach verordnet werden, sie müssen in einer repräsentativen Öffentlichkeit entschieden – und den Menschen erklärt werden, damit sie die Entscheidungen einsehen und ihnen zustimmen können. Und auch noch so notwendige nachhaltige Transformationen des Wirtschaftens müssen als Reformen gedacht werden, können Unternehmen und Individuen nicht „überrumpelt“ werden, sondern brauchen die Zeit, die für die Teilhabe der Betroffenen nötig ist.

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Nachhaltigkeit – Reformen statt Umbruch

  • Hans-Michael Ferdinand

摘要

Angesichts der Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung der Erde ist es vor dem Hintergrund des Systemwettbewerbs demokratischer und autoritärer Staaten zu einer Herkulesaufgabe der Politik geworden, global geltende Regeln des Zusammenlebens – nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit – zu vereinbaren und durchzusetzen. Die geschwächte globale Rechts- und Friedensordnung ist unbedingt zu erhalten; Immanuel Kant hat dafür in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ die noch immer tragfähigen Grundzüge skizziert. Mit einem Grundbekenntnis zur Freiheit und Würde macht er den Menschen zum Subjekt der Rechtsordnung – im demokratischen Staat, in einer rechtlich geordneten Völkergemeinschaft und als Weltbürger im fremden Land. Und er macht ihn zum Subjekt der Geschichte, weil nur durch seine Teilhabe in Freiheit, aber niemals durch Gewalt, Veränderungen im Zusammenleben der Menschen herbeigeführt werden können – als Reformen auf dem Weg zum ewigen Frieden im Recht. Das gilt genauso für den Weg zur Nachhaltigkeit: Noch so notwendige Veränderungen, beim Konsum, beim Reisen, beim Wohnen und in anderen Lebensbereichen, können nicht einfach verordnet werden, sie müssen in einer repräsentativen Öffentlichkeit entschieden – und den Menschen erklärt werden, damit sie die Entscheidungen einsehen und ihnen zustimmen können. Und auch noch so notwendige nachhaltige Transformationen des Wirtschaftens müssen als Reformen gedacht werden, können Unternehmen und Individuen nicht „überrumpelt“ werden, sondern brauchen die Zeit, die für die Teilhabe der Betroffenen nötig ist.