Salonlesungen, Sprechunterricht, persönliche Beratung und Begleitung. So oder so ähnlich bietet ein mittelmäßiger und ziemlich mittelloser Schauspieler seine Nebendienste in den Kleinanzeigen eines Konstanzer Lokalblättchens an. Wer sich meldet, ist Frau Professor Iphigenie Auguste de la Tour, Emerita der Anthropologie. Wie er sie beim ersten Rendezvous erkenne, fragt kleinlaut der schmächtige Akteur, worauf sie entwaffnend entgegnet, jeder erkenne sie. Diese Frau ist eben eine Erscheinung, raumgreifend in jeder Hinsicht. Haare voluminös wie ein geblähtes Segel, fingerdick Make-up und Lidschatten im Gesicht, das Dekolleté mit Ketten und die Finger mit Ringen überladen, durchdringend das Parfüm. Ihr Porsche Cabrio stellt sie bei Bedarf auf Verkehrsinseln oder Zebrastreifen ab, lästige Fußgänger weghupend, was suchen die auch auf ihrem Parkplatz? – Und zum Herauswinken ruft sie sich dann gern mal einen Kranfahrer aus seiner Kanzel herunter. Ihre bevormundende Lieblingsformel lautet: „Wussten Sie das?“ „Das sollten Sie aber“ (Zelter 2020, 32 u. ö.).

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Joachim Zelter: Imperia (2020)

  • Alexander Košenina

摘要

Salonlesungen, Sprechunterricht, persönliche Beratung und Begleitung. So oder so ähnlich bietet ein mittelmäßiger und ziemlich mittelloser Schauspieler seine Nebendienste in den Kleinanzeigen eines Konstanzer Lokalblättchens an. Wer sich meldet, ist Frau Professor Iphigenie Auguste de la Tour, Emerita der Anthropologie. Wie er sie beim ersten Rendezvous erkenne, fragt kleinlaut der schmächtige Akteur, worauf sie entwaffnend entgegnet, jeder erkenne sie. Diese Frau ist eben eine Erscheinung, raumgreifend in jeder Hinsicht. Haare voluminös wie ein geblähtes Segel, fingerdick Make-up und Lidschatten im Gesicht, das Dekolleté mit Ketten und die Finger mit Ringen überladen, durchdringend das Parfüm. Ihr Porsche Cabrio stellt sie bei Bedarf auf Verkehrsinseln oder Zebrastreifen ab, lästige Fußgänger weghupend, was suchen die auch auf ihrem Parkplatz? – Und zum Herauswinken ruft sie sich dann gern mal einen Kranfahrer aus seiner Kanzel herunter. Ihre bevormundende Lieblingsformel lautet: „Wussten Sie das?“ „Das sollten Sie aber“ (Zelter 2020, 32 u. ö.).