Juli Zeh versteht sich selbst als engagierte Autorin. In ihrem Beitrag Wir trauen uns nicht (2004) für Die Zeit diagnostiziert die überzeugte Sozialdemokratin einen unter Schriftsteller*innen der Gegenwart vorherrschenden Mangel an politischer Bekenntnisfreude. Für Zeh ist es die Aufgabe von Autor*innen als Intellektuelle, für demokratische Werte einzutreten. Diese Überzeugung liegt auch ihrem Roman Unterleuten zugrunde. Verkörpert wird sie von der Figur des Soziologieprofessors Gerhard Fließ, dessen Bildungsideal Grundgedanken der Aufklärung mit denen der Studierenden- und Umweltbewegung der 1960er bis 1980er Jahre verbindet. Er verlässt den Berliner Universitätsalltag, um sich im brandenburgischen Dorf Unterleuten ein seinem Ideal entsprechendes Leben aufzubauen, als Teil einer demokratischen Dorfgesellschaft. Allerdings scheitert er damit an der neoliberalen Wirklichkeit, die – zusammen mit alten Zerwürfnissen – das Dorfleben bestimmt. Was zu Fließ’ Untergang führt, ist sein Versuch, sich selbst im Dorf als ‚Macher‘ zu profilieren. :Dabei übernimmt er sowohl neoliberale als auch archaische Verhaltensweisen, die mit seinem Bildungsideal nicht zu vereinbaren sind, und fällt diesem regressiven Lernprozess letztlich zum Opfer.

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Juli Zeh: Unterleuten (2016)

  • Sabine Egger

摘要

Juli Zeh versteht sich selbst als engagierte Autorin. In ihrem Beitrag Wir trauen uns nicht (2004) für Die Zeit diagnostiziert die überzeugte Sozialdemokratin einen unter Schriftsteller*innen der Gegenwart vorherrschenden Mangel an politischer Bekenntnisfreude. Für Zeh ist es die Aufgabe von Autor*innen als Intellektuelle, für demokratische Werte einzutreten. Diese Überzeugung liegt auch ihrem Roman Unterleuten zugrunde. Verkörpert wird sie von der Figur des Soziologieprofessors Gerhard Fließ, dessen Bildungsideal Grundgedanken der Aufklärung mit denen der Studierenden- und Umweltbewegung der 1960er bis 1980er Jahre verbindet. Er verlässt den Berliner Universitätsalltag, um sich im brandenburgischen Dorf Unterleuten ein seinem Ideal entsprechendes Leben aufzubauen, als Teil einer demokratischen Dorfgesellschaft. Allerdings scheitert er damit an der neoliberalen Wirklichkeit, die – zusammen mit alten Zerwürfnissen – das Dorfleben bestimmt. Was zu Fließ’ Untergang führt, ist sein Versuch, sich selbst im Dorf als ‚Macher‘ zu profilieren. :Dabei übernimmt er sowohl neoliberale als auch archaische Verhaltensweisen, die mit seinem Bildungsideal nicht zu vereinbaren sind, und fällt diesem regressiven Lernprozess letztlich zum Opfer.